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> Lesbisch-Sein im Kreis von Lesben, Eure Erstkontakte mit "lesbischem Leben"
Geneviève
Beitrag 23.Jul.2008 - 01:31
Beitrag #1


Vorspeisenexpertin
*****

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Hallo ihr alle,

die Überschrift ist vielleicht etwas unklar, daher jetzt eine genauere Erläuterung, was ich eigentlich meine:
Ich habe ja bislang keine Erfahrung mit anderen (offen lebenden) lesbische Frauen und dem, was ich mal weitläufig mit dem Begriff Szene umreißen würde.
Da das allerdings nicht so bleiben soll, dachte ich mir, dass ich bis spätestens Ende August (fühlt sich machbar an und irgendeinen Termin brauche ich, damit ich nicht in der Luft hänge) mal einen Erstversuch wagen und mich in entsprechende Örtlichkeiten trauen werde.

Nun interessiert mich, wie das bei euch war, als ihr das erste Mal Kontakt zu anderen Lesben aufgenommen habt – sofern ihr das gezielt getan habt bzw. Möglichkeiten dazu hattet.
Habt ihr lange nach entsprechenden Orten/Gruppen/Veranstaltungen/etc. suchen müssen? Habt ihr euch wohl gefühlt? Wie ging es euch vorher, wie währenddessen, wie hinterher? Hat euch die Erfahrung in irgendeiner Weise verändert/beeinflusst und inwiefern? Was werdet ihr immer in guter Erinnerung behalten, was würdet ihr lieber nicht erlebt haben? Was ist euch aufgefallen, was war wie erwartet, was hat euch überrascht? Was mochtet ihr und was nicht? Was war/ist euch wichtig und was nicht?
Hat es für euch persönlich überhaupt irgendeine Bedeutung, euch im Kreise anderer Lesben aufzuhalten oder ist euch das ganz egal?
... Das sind nur ein paar mögliche Fragen, im Grunde bin ich an Allem interessiert, was ihr zum Thema berichten könnt und wollt.
Es würde mich also wirklich freuen, wenn ihr euch zu einigen Aspekten davon und/oder zu anderen Aspekten des Themas äußern mögt.


Viele Grüße,

Geneviève
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Leah
Beitrag 23.Jul.2008 - 08:11
Beitrag #2


Meer sein
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Hallo Geneviève,

also bei mir war das alles nicht geplant,ich bin damals durch meinen Umzug nach Heidelberg da so holter di polter reingeschwupt...
Ohne es zu merken war ich plötzlich von Lesben umzingelt,die das auch offen sagten und lebten,so mußte ich nicht suchen,auch nicht nach Orten suchen wo man sie finden konnte....ich war mitten drin...
Durch einen Kumpel und seinen schwulen Bruder war ich sehr schnell dann auch mit Lesben in Bekanntschaft und wir gingen in Discos,oder sie schleiften mich auf die ersten CSD´s mit...
Während meiner Ausbildung lernte ich auch lesben kennen....dass war alles sehr komisch und verwirren,denn ich suchte nicht danach,ich kannte es gar nicht,aber stand plötzlich mitten in dieser Welt und bemerkte,dass sie mir gefällt,viel besser wie all das was ich bisher kannte...
Es macht für mich schon einen Unterschied,ob ich mit Lesben zusammen bin und,oder Schwulen (sry ich weiß das gehört hier nicht her,möchte es auch nicht vertiefen,aber für mich gehört das irgendwie dazu)...ich bin gerne mit ihnen zusammen,es strahlt für mich etwas anderes aus,als wenn ich mit heteros zusammen bin... Nicht das Du mich falsch verstehst,ich habe absolut nichts gegen sie und bin auch mit ihnen gerne zusammen,also Freunden von früher,aber dennoch ist es einfach etwas anderes für mich,mit meinesgleichen zusammen zu sein... Ich hoffe das klingt jetzt nicht irgendwie abwertend,denn so ist es absolut nicht gemeint...!!!
Diese Welt,in die ich einfach so,ohne viel dazu getan zu haben hinein geplumst bin,ist für mich einfach etwas besonderes,dadurch hat sich sehr viel in meinem Leben geändert...ich habe mich sicher auch verändert,aber dennoch nicht negativ,ich habe einfach für mich viel dazugewonnen und das hat mich verändert,mich offener gemacht.
Am Anfang hatte mich das alles sehr verwirrt und ich kann gar nicht sagen wie ich mich gefühlt habe....es war verwirrend,aber nicht negativ,aber ich hatte auch keine wirkliche Vorbereitungszeit,es war einfach da und ich mittendrin und es war gut,tat gut...hat sich einfach richtig angefühlt...

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McLeod
Beitrag 23.Jul.2008 - 08:43
Beitrag #3


mensch.
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Ich war ein Backfisch und las in der Zeitung von einer Podiumsdiskussion in der "Rosa Hilfe" (oder so ähnlich hieß der Laden, er lag in einer der unsanierten Altbaureihen hinter dem Bahnhof). Ich hatte mit niemandem vorher über mich und meine Gefühle gesprochen, ich hatte keine Vorstellung von "Szene", keine Idee, wie Schwule und Lesben aussehen. Ich dachte mir nur, mit meinen etwa 15, 16 Jahren, ich könnte den Kommunalwahlkampf (in dessen Dunstkreis die Diskussion stattfand) nutzen, um unauffällig reinzuschauen. So unauffällig eine Nicht-Wählerin mit Jeansjacke und Kurzhaarfrisur Ende der 80er / Anfang der 90er sein konnte. Darüber machte ich mir keine Gedanken. ;)

Ich kam in ein Ladencafé, einen Raum... viele Stühle, vorne ein paar Tische, dahinter Platz für die, die sich zur Wahl und Rede stellen ließen. Um mich herum völlig durchschnittliche Leute (so ich es erkennen konnte, ich saß recht still und ohne meine Blicke zu auffällig schweifen zu lassen sehr weit hinten). Die Diskussion wurde recht schnell recht hitzig. Einer, ich vermute von der CDU, erklärte mühsam eloquent (eher weniger, als mehr) seine Abneigung gegen Homosexuelle anhand von Religion und Lebenseinstellung, ein anderer (Grüne? Alternative?) sagte, er habe es seinen Kindern schon längst erklärt: ein Mann könne auch mit einem Mann zusammensein und das ging wie zwischen Mann und Frau, nur von hinten. Empörung und Entrüstung im Raum, sooo könne man das keinesfalls reduzieren. Der Mann verteidigte sich, sein Sohn sei erst 5, komplexer würde er die Welt noch nicht erklären können.

Es war eine so fremde und sureale Situation für mich. Manchmal denke ich, ich träume diese Erinnerung nur. Dabei habe ich am Ende sogar noch was beigetragen und vom Umgang mit einem "wahrscheinlich homosexuellen" Lehrer an meiner Schule erzählt, von dummen Sprüchen am Kakao-Automaten und Lehrern, die schweigend bis lächelnd dabei stehen.

Ich würde diesen Ausflug nicht als mein Coming-out bezeichnen. Ich war da, bin wieder weg, war keinen Schritt vorwärts gekommen, hatte nur dieses brennende Gefühl in mir und blieb auf der Suche nach Wahr-Nehmung, nach Heimat, nach Gegenüber - und mir.

Das war das erste Mal, dem irgendwie noch mehrere erste Male folgten. Es ist nicht so einfach. Jedenfalls bei mir nicht.

McLeod
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sonnenstrahl
Beitrag 23.Jul.2008 - 09:27
Beitrag #4


verboden vrucht
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Ich habe mich auf die Suche nach anderen Lesben gemacht, nachdem ich bereits 1 1/2 Jahre lesbischer Beziehung (von mir aus jedenfalls - von ihr aus durfte es keiner wissen, und nach 1/2 Jahr legte sie sich obendrein einen Verlobten zu, bei dem sie letztenendes auch blieb) in Nordspanien gelebt hatte. Von Szene dort keine Spur.

Meinen ersten Versuch der Kontaktaufnahme mit der Community importiere ich mal aus dem "Wie war es früher"-Thread.

QUOTE
(robin)Es wurde ein lesbisches "kiss-in" ausgerufen - über ganz inoffizielle kanäle, dh. ich erfuhr damals davon, weil die ex-geliebte der freundin einer freundin der besten freundin einer bekannten von .... es mir mitteilte.

Der anlass: In einer eisdiele hatten sich 2 frauen geküsst und wurden hinauskomplimentiert, deswegen wollte frau mit einem kiss-in das lesbenfeindliche weltbild etwas zurechtrücken


QUOTE
(sonnenstrahl) Es gab nicht nur inoffizielle "Kanäle" - ich, ganz frisch und jung in Hamburg, nachdem ich nach dem Abi in der schwäbischen Tiefstprovinz 2 Jahre mit meiner ersten Geliebten in der nordspanischen Provinz verbracht hatte - war über eine Kleinanzeige in der taz gestolpert, die auf das "kiss-in" aufmerksam machen sollte. Treffpunkt für "Neulinge": Der Frauenbuchladen. Jung-sonnenstrahl todesmutig, mit bebendem Herzen, ungepaart, jedoch von ihren beiden jüngeren (Hetero)Schwestern begleitet, kundschaftete also aus, wo der lag, und machte sich auf den Weg. Ich suchte Anschluss, keine Frage. Dachte - vielleicht ergibt sich was Nettes beim Rundum-Küssen, oder so ... Und sei es erstmal "nur" ein Einstieg in die Szene, oder - mit Chance - sogar mehr als das .... Mein ging Arsch je mehr auf Grundeis umso näher wir kamen. Dort: Keine Kundin ausser uns. Ich wusste vor Aufregung überhaupt nicht, wohin mit mir. Endlich kamen zwei extrem grimmig ausehende Frauen, die sehr offenkundig ein Paar waren. Auf meine schüchterne Frage, ob sie auch zu dem "kiss-in" wollten, erhielt ich ein brüskes "Ja. (Punkt.)", und wurde keines weiteren Blickes gewürdigt. Zwei weitere, grimmig dreinblickende, deutlich gepaart wirkende Frauen erschienen. Ich, freundlich: "Hallo, wollt ihr auch ....". Brüsk gedehntes, komplett uninteressiertes "Hmmmm. (Punkt.)", woraufhin sie sich dem ersteingetroffenen Paar zuwandten, das sie anscheinend kannten. Drittes Paar erschien, strömte sofort auf den Viererhaufen zu ... sonnenstrahls Gruß blieb unerwidert. Viertes Paar, eine davon sehr tonangebend wirkend, die andere: Supergrimmig!, erschien, gesellte sich zu den anderen, was offenbar das Signal zum Aufbrechen war. Ich hätte natürlich einfach mitgehen können, auch wenn ich keine Extra-Einladung erhielt - aber irgendwie fühlte ich mich so demoralisiert, unbeachtet und eingeschüchtert, dass ich wie festgeklebt stehenblieb. "Wolltest du nicht mit denen mit?" fragte eine meiner Schwestern. "Nö, doch nicht" murmelte ich frustriert und beschämt. Meine andere Schwester hatte indes aus irgendeinem Grabbelkörbchen einen Button mit der Aufschrift "Lieber lesbisch" heraus gefischt und ihn sich solidarisch angesteckt. Ich wäre lieber auf der Stelle im Boden versunken.
Jahre danach, als mein Selbstbewusstsein sich längst von unter dem Frauenbuchladen-Fußboden gelöst hatte, erfuhr ich dann, wie die Aktion in der Eisdiele abgelaufen war. Und dass dort eine einsame Ungepaarte rumgesessen hatte, die viel später einer der wichtigsten Menschen meines Lebens werden sollte ...


Danach lernte ich - während einer Ausbildung - meine zweite (von ihr aus ebenfalls sehr halbherzige) lesbische Beziehung kennen. Mit ihr und ihrer kleinen Tochter verbrachte ich weiter 1 1/2 Jahre des Zusammenlebens.

Als die Beziehung zerbrach, suchte ich mir eine lesbische WG, die ob der dort vorherrschenden Coolness und Obercoolness ein ziemlicher Alptraum für mich war.
Irgendwie war ich der Situation, nachts im Bad unbekannten, damals auf mich sehr furchteinjagenden, schwarzgekleideten Frauen mit Stachelhalsbändern und Springerstiefeln zu begegnen, die mich - das war das Schlimmste - nicht grüßten, sondern nur geringschätzig von oben bis unten taxierten (und das mir, die ich doch so gerne angehimmelt werde B) ) nicht so recht gewachsen.

Den "Durchbruch" in die "Szene" schaffte ich, Mitte der Achtziger, mit dem genialen Einfall, eine der Hamburger Frauenwochen mitzuorganisieren. Seitdem habe ich keine Angst mehr vor anderen Lesben ;) ...

Der Beitrag wurde von sonnenstrahl bearbeitet: 23.Jul.2008 - 09:28
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leslie
Beitrag 23.Jul.2008 - 09:49
Beitrag #5


Miau
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Hallo!
Bei mir war es auch lange so, dass ich zwar längst mit FreundInnen und Bekannten über mein Lesbischsein gesprochen hatte, ich aber selber nie andere Lesben kennen gelernt hatte, weil ich mich nicht getraut habe, allein irgendwo hinzugehen.
Irgendwann habe ich mir dann ein Herz gefasst und meine Großcousine kontaktiert, die ich sonst nur von Beerdigungen in der Verwandtschaft kannte, und von der ich ganz stark vermutete, dass sie auch lesbisch sei. Et voilà, richtig vermutet. Sie hat mich dann zum CSD nach Rostock geschleift, und das war eine Wahnsinnserfahrung für mich - von 0 auf 1000 :)
Danach habe ich beschlossen, dass es so ja mit mir nicht weitergehen kann, und ich habe mich auf die Suche nach etwas gemacht, wo ich regelmäßig andere Lesben treffen könnte. So bin ich dann bei einem Lesbenchor gelandet (ich und singen :wacko: - aber egal...). Dort bin ich dann mit ziemlich flauem Magen das erste Mal hingefahren, hatte keine Ahnung, was mich wohl erwarten würde (zumal ich eher schüchtern bin und von mir aus eigentlich nie auf fremde Leute zugehe, egal wo und wann...). Und siehe da: Das war eine supernette, nicht zu große Truppe, die mich gleich mit offenen Armen aufgenommen hat. Intensivere Freundschaften haben sich daraus zwar nicht entwickelt, aber es tat gut, diesen Kontakt zur "Lesbenwelt" zu haben - es hat mich viel sicherer gemacht, ich habe mich nicht mehr so "allein" gefühlt.
Als ich dann meine Frau kennen lernte (allerdings übers Internet), musste ich den Chor leider aufgeben, weil ich 100km weit weggezogen bin und mir die Fahrerei nach einem halben Jahr dann doch zu viel wurde.
Ich erinnere mich aber immer wieder gern zurück an diesen ersten Schritt und die schöne Zeit dort.

LG, Leslie

Der Beitrag wurde von leslie7259 bearbeitet: 23.Jul.2008 - 09:49
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PikSieben
Beitrag 23.Jul.2008 - 11:12
Beitrag #6


ausgewilderte Großstadtpflanze
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Nein, einfach war es bei mir auch nicht - ich hab's mir sehr schwer gemacht.

Ich habe es fertig gebracht, mich mit 15,16,17,18 Jahren (also SEHR lange Jahre) mitten in Berlin (!) sehr einsam und hilflos zu fühlen und den Schritt in "die Szene" als etwas gewaltig Schweres und nahezu nicht Erreichbares zu empfinden.

Ich dachte, niemanden zu kennen (erst Jahre später ist mir aufgegangen, wie viele Lesben zum Beispiel bei mir in der Schule waren) und war UNGLAUBLICH schüchtern.

Zunächst brauchte ich Jahre, um herauszufinden, auf welchen Wegen ich mich überhaupt über schwullesbisches Leben informieren konnte: Ganz zufällig (im Ernst!) geriet ich in meinen ersten CSD (1993? 94?): Klein-Piksie (die einzige Lesbe Berlins :wacko:) lief - warum auch immer - auf der Karl-Liebknecht-Straße herum und wunderte sich über die vielen Menschen dort. Und konnte anschließend nicht fassen, was sie dort sah: Männer im Fummel, Frauen in Jeansjacken zogen mit irgendwelchen Transparenten die Straße entlang. Ich stand wie Loth's Weib und als ich wieder zu mir kam, war ich irgendwie der Menschenmenge entrissen und hatte eine Zeitung in der Hand: die "Siegessäule", Berlins schwules - heute schwullesbisches - Stadtmagazin.
Wow! So etwas gab es also! Dank dieses kleinen Heftchens konnte ich immerhin ein paar Anlaufstellen, Adressen von Frauenzentren, Buchläden, Party"locations ausfindig machen und wusste fortan auch, auf welchem Wege ich mich "informieren" konnte.

Es brauchte dann dennoch einige Wochen/Monate (?), bis ich mich traute, irgendwo hin zu gehen:

Einmal bereits hatte ich es schon geschafft, all meinen Mut zusammen zu nehmen und zu irgendeiner Was-weiß-ich-Party in den Pfefferberg zu gehen. Ich zahlte meinen Eintritt, lehnte mich drinnen gegen irgendeine Mauer und wartete darauf, beachtet zu werden. Ich sah viele Frauen kommen, in Pärchen, in Gruppen oder allein. Mein größtes Hoffen richtete sich natürlich an die Frauen, die allein kamen. Aber die ließen gelassen ihren Blick schweifen, solange, bis ein kleines Leuchten über ihre Augen huschte - "Ah, da seid ihr ja" - *fröhlich grüß*, *munter losplauder*
Und Piksie: :( . Nach nicht mehr als einer halben Stunde hatte ich genug: Niemand hatte mich auch nur beachtet, geschweige denn gefragt, ob ich "neu hier" sei - was machte ich eigentlich hier? - Nix wie weg hier!

Beim nächsten Versuch wollte ich alles besser machen. Bloß nicht wieder so eine Riesen-Party! Ich suchte nach einer etwas überschaubareren Veranstaltung und fand: Einen Video-Abend in einem Frauenzentrum. Es sollten alte, selbstmitgeschnittene Tatorte mit Frau Folkerts gezeigt werden - das klang doch ganz nett. Und das war es auch. Etwa 30 junge Frauen kamen, einige auch allein und verteilten sich - teils schüchtern, teils lässig-erfahren auf den aufgestellten Stühlen und warteten, dass es losging. Die Stimmung löste sich zunehmend, es gab erste Lacher, später Gejohle und die Frauen, die weniger schüchtern waren als ich, kamen ganz gut miteinander ins Gespräch. Nun, ich rannte nicht weg, sondern blieb bis zum Ende, fühlte mich eigentlich ganz wohl, aber war viel zu aufgeregt, um mich zu trauen, jemanden anzusprechen oder so. Aber immerhin: Ich hatte mich getraut. Einigermaßen erleichtert und auch ein wenig stolz auf mich ging ich nach draußen und fühlte mich gewappnet, erhobenen Hauptes den Heimweg anzutreten, der diesmal keine Flucht war. :)
Und dann geschah etwas Unfassbares: "Hej!" Vor mir stand eine süß lächelnde, sehr hübsche junge Frau mit langen, lockigen Haaren: "Ich bin mit dem Auto da. Soll ich dich ein Stück mitnehmen?" Und ich: :blink: :roetel: "Äh" *stammel* :unsure: :roetel: "Oh! Danke... äh .. ich .. fahre mit der S-Bahn." :patsch: Sie: "Sicher?" Ich: "Jaja" Sie: "Na gut, dann komm gut nach Hause. Tschüss!" Ich: :blink: :patsch: :abschied:
(Bescheuert? Ja, klar. Aber ich war so überfahren, dass ich einfach nicht besser reagieren konnte.)

Als sich später ein Junge aus meinem Umfeld als schwul outete, hängte ich mich an ihn, sagte, dass ich lesbisch sei und ob wir nicht einmal gemeinsam in "die Szene" gehen wollten. Gleich beim ersten Mal traf ich dort eine Freundin einer Freundin einer Freundin, die ich schon einmal irgendwo gesehen und sehr nett gefunden hatte. Der Abend endete sehr übermütig :rolleyes:, anschließend war ich neun Jahre mit ihr zusammen - inklusive Heirat. Der Junge von damals ist heute noch mein bester Freund.

Und ganz so schüchtern bin ich inzwischen auch nicht mehr.

Pik7

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schneeland
Beitrag 23.Jul.2008 - 16:51
Beitrag #7


Gut durch
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Also erstmal an alle: :blumen2: Vielen Dank!
Liebe Geneviève,
ich selbst kann zu dem Thema leider nicht viel beitragen, da ich in einer ähnlichen Situation bin wie Du. Ich bin zwar eigentlich vor all meinen "hetero-Freunden" geoutet, ich habe seit etwas über einem Jahr eine Partnerin und eine lesbische Freundin die etwa 100 km entfernt wohnt ( :wavey: ). Aber der Schritt ins "lesbische Leben" fällt mir doch immer noch sehr schwer. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass es mir persönlich ganz wichtig ist irgendwie. Ich weiß noch, ganz am Anfang so vor zwei Jahren oder so, war ich mit besagter ebenfalls lesbischer Freundin mal bei einer Schwulen- und Lesbenparty. Ich weiß noch sehr genau, wie angenehm ich das fand. Ich schaute um mich und irgendwie fühlte es sich so an wie: "die sind alle genau wie Du". Das war irgendwie sehr entspannend. Nach dieser "Verbundenheit" suche ich nun weiterhin. Allerdings schaffe ich es nicht so recht, über meinen eigenen Schatten zu springen :roetel: Es tut also sehr gut zu lesen, dass es vielen am Anfang nicht anders ging :) Wobei ich auch merke, dass ich mir allgemein schwer tue, mit so "neuen Kontakten" wenn man es alleine angehen muss. Da meine Partnerin leider weder in der gleichen Stadt wohnt, noch sich selbst als lesbisch definiert, werde ich es aber wohl alleine in Angriff nehmen müssen. Vielleicht sollte ich mir auch so einen konkreten Termin setzen wie Du :gruebel:
Auf jeden Fall erstmal tausend Dank für das eröffnen dieses threads und den anderen vielen Dank fürs Teilen der Erfahrungen :) :blumen:
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emma84
Beitrag 23.Jul.2008 - 17:54
Beitrag #8


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Hi und Hallo,

also mir geht es genau so wie dir! Deshalb kann ich zu deiner Frage nicht so viel beitragen.
Seit ich in eine andere Stadt gezogen bin taste ich mich irgendwie vor. Habe aber gleichzeitig das Gefühl auf der Stelle zu treten. Seit Monaten nehme ich mir vor mal in entsprechende Cafes oder auf Partys zu gehen aber ich schaffe es einfach nicht. Ich würde so gerne andere Lesben kennen lernen weil ich im Moment das Gefühl habe total einsam zu sein. Ich habe noch nie mit einem Menschen über meine Gefühle gesprochen. Darüber hinaus bin ich total schüchtern und mein Selbstvertrauen ist auch nicht gerade sehr ausgeprägt.

Ja so ist das bei mir zur Zeit
Wünsche dir viel Kraft und Mut

lg emma
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robin
Beitrag 23.Jul.2008 - 18:33
Beitrag #9


I lof tarof!
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Hallo Geneviève! :)

Ich kann deine frage gut nachfühlen ... vor vielen jahren ging es mir ähnlich, ich hatte eine große scheu 'lesbenlokalitäten' aufzusuchen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, was mich dort erwartet.

Allerdings sind meine erfahrungen diesbezüglich wirklich veraltet, denn mein 1. bewusste schritt über eine solche schwelle fand vor ca. 30 jahren - ich bin sicher (ich hoffe!!), es hat sich seit damals viel verändert. Zum besseren ...

Meine 1. erfahrung fand in der 'frauenkneipe' in hamburg statt und sie war abschreckend. Zum glück war ich von mir schon ziemlich überzeugt, sonst hätte mir passieren können, dass ich vor lauter schreck endgültig stockhetero bleibe :D

Ich trug sehr langes haar und wallende pseudo-indische klamotten (die inzwischen wieder modern sind :rolleyes: ), ich betrat den eher dunklen, kalten, 100% bierseligen, ungemütlichen raum (und ich bin schon immer eine 'nicht-alktrinkerin' gewesen) und wurde von mehreren augenpaaren von kopf bis fuß begutachtet - und für absolut nicht-in-frage-kommend befunden :P

Die frauen waren für mich nicht als solche zu erkennen, ich erinnere mich gedacht zu haben, die sehen aus wie lkw-fahrer.
Die hockten alle am tresen vor ihren bierflaschen, und mir schwante, ich habe mit ihnen nix am hut. Genauso wenig wie sie mit mir :D

Tja, wie du siehst, bin ich immernoch ich, hier in einem lesbenforum, das heißt wohl, dass ich - trotz meiner jungen jahren und berge von unsicherheiten, nicht so leicht zu erschrecken bin! :bounce:

Ich wünsche dir mut und viel spaß, lass dich bloß nicht von äußerlichkeiten entmutigen, du könntest vieles verpassen.
Aber, wie gesagt, ich denke, heute verhält es sich anders, viel entkrampfter ...
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schneeland
Beitrag 23.Jul.2008 - 18:38
Beitrag #10


Gut durch
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@emma: Ich habe gerade gesehen, dass wir beide wohl in die gleiche neue Stadt gezogen sind ;) Solltest Du Interesse haben zu zweit über den Schatten zu springen, sag bescheid. Zu zweit die Bar jeder Sicht zu erkunden würde ich mir schon eher zutrauen als so ganz allein :roetel: Also wie gesagt, sollte Dich der Mut überfallen, meld Dich einfach per pm, würde mich freuen. :)
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DerTagAmMeer
Beitrag 23.Jul.2008 - 21:15
Beitrag #11


Adiaphora
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Soooo lange ist es zwar noch nicht her - trotzdem fehlt mir irgendwie die Erinnerung für's Ganze ... aber an einzelne Situationen kann ich mich erinnern:

Mein erster Besuch mit einem schwulen Schulfreund in einem politisch-kulturell ambitionierten Schwulenzentrum - bin wahrscheinlich als Gaby* durchgegangen, bekam aber trotzdem nix zu trinken und keine Lesbe zu Gesicht: --> Flop I

"Frauenabend" in einer Disko, die wegen erstklassiger Open-Air-Konzerte zwar angesagt, aber ohne Auto extrem schlecht zu erreichen war. Meine Erwartungen waren dementsprechend galaktisch und wurden übelst enttäuscht: Die Musik war unterirdisch, die Veranstaltung miserabel besucht, der Flipper kaputt, die Stimmung schnell Eimer, der Heimweg beschwerlich und der Ärger mit meinen Eltern erheblich --> Flop II

"CSD-artige Großveranstaltung" in meiner Heimatstadt: Der Tummelplatz der Lüste. Meine erste richtig große Party und das mit erster richtig fester Freundin.
Ich betrat die Vorhalle und wurde derart selbstsicher, offensiv und lesbisch von einer WIRKLICH erwachsenen Lesbe mit stahlblauen Augen und Lederjacke angelächelt, dass ich mich den Rest des Abends ängstlich hinter meiner Liebsten versteckte und unsere Schuhspitzen hypnotisierte - sicher, dass es Jahrhunderte brauchen würde, bis ich in der Lage wäre, solch einem Blick standzuhalten. --> Herausforderung I

Zum ersten Mal kurz vorm Verlassenwerden: nach Bremen geflüchtet und tagelang ziellos durch die Stadt gelaufen. Zufällig hab ich ein Plakat für ein Cora-Frost-Konzert gesehen und mir eine Karte gekauft. Es war genau die richtige Musik für meine Stimmung: Einsamkeit, Herzschmerz und eine Prise Sarkasmus.
Allerdings war es auch die richtige Musik für den lesbischen Fanclub meiner Heimat. Die gesamte Reihe vor mir: wohl bekannte Gesichter (mit denen ich selbstverständlich noch nie ein Wort gewechselt hatte ;)), bestens gelaunt, Festzelt-Stimmung verbreitend, mich sehr wohl wiedererkennend. Der Zeitpunkt, an dem ich hätte grüßen können, war verpasst. Es war ein ziemliches Spießrutenheulen an dem Abend. --> Herausforderung II

Kurze Zeit später: Besuch der Ex in Berlin. Erster Kontakt zu einem nigelnagelneuen coolen, lesbischen Szene-Leben. Lesbische Clique, total wichtig, gestylt und gelangweit. Alle waren megacool und ich die naive, dauergewellte Verflossene aus der Provinz, die in absehbarer Zeit gewiss wieder stockhetero werden und eine Vorortfamilie gründen würde. --> Schlimmer ging's nimmer.

Danach hatte ich keine Angst mehr vor Lesben. Mit einem trotzigen "was bildet ihr Euch eigentlich ein?" hab ich mir hartnäckig einen Platz in der Szene ersessen - auch wenn ich nicht immer wusste, was ich da eigentlich wollte.
Und irgendwann war's eine Art "zuhause" für mich. Keine Ahnung, wie's dazu gekommen ist.

*heterosexuelle Busenfreundin eines homosexuellen Mannes

edit: der Kommentar meiner Frau zum Beitrag oben: "Na, da haste den Mädels ja mal richtig Mut gemacht!" Ich (entschuldigend): "Aber bei Dir wars doch auch nicht leichter [...]."
Darum möchte ich hinzufügen, dass "Pubertät" wohl grundsätzlich eine relativ doofe Zeit für schüchterne Mädchen mit arroganter Nasenspitze und großen Träumen ist. Auf einer neuen Schule, in einem neuen Sportverein, einer x-beliebigen SHG oder in jeder stinknormalen Dorfdisko hätte ich sicher ähnliche Erfahrungen gemacht.

Natürlich wünsche ich jeder Junglesbe, dass sie ohne Anlaufschwierigkeiten in eine bunte Truppe netter, gleichgesinnter Lesben stolpert, sofort integriert ist und ihre große Liebe findet. Vielen gelingt das ja auch. Und dank Internet besteht heute die Möglichkeit, vorher Bekanntschaften zu knüpfen, mit denen frau dann gemeinsam die lesbische Welt erobern kann. Und für die, die's trotzdem im Alleingang versuchen: Durchhalten, wenn das erste Mal ein Reinfall ist, es lohnt sich! Und der lesbische Chor, Filmfestspiele oder die Outing-Gruppe sind am Anfang vielleicht wirklich besser geeignet als ein Großstadt-CDS :)

Der Beitrag wurde von DerTagAmMeer bearbeitet: 24.Jul.2008 - 06:27
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regenbogen
Beitrag 23.Jul.2008 - 21:24
Beitrag #12


a.D.
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Ich erinnere mich, als ich (noch tief im Schrank und auch noch relativ neu in der Stadt) im Sommerkino eine Wiederholung meines Lieblingsfilms "Grüne Tomaten" besuchte. Als das Publikum nach dem Film aus dem Kinosaal strömte, sah ich mich um und dachte plötzlich: Oh, ganz viele von den Frauen hier sehen wirklich nett aus, mit vielen hier würde ich mich sicher gut verstehen.

Seinerzeit war mir weder klar, dass "Grüne Tomaten" ein Lesbenfilm ist noch dass die Lesbenquote dort im Kino recht hoch gewesen sein dürfte. Es hat sich einfach gut angefühlt, dort zu sein.
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shark
Beitrag 24.Jul.2008 - 08:26
Beitrag #13


Strösenschusselhai
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An meinen allerersten "Szeneausflug" erinnere ich mich noch gut...
Auch daran, dass ich mich allein nicht hin traute und deshalb meinen besten Freund in die winzige lesbisch-schwule Diskothek (die es heute längst nicht mehr gibt) im 30 km entfernten L. mitschleppte. :D

Es war irgendwie seltsam... ich war 27, steckte mitten in meinem CO und staunte schon über die wenigen Frauen (es waren viel mehr Männer da... und einige hatten sofort ein Auge auf meinen Freund geworfen, was ihn irritierte, aber auch freute... :) ), die anwesend waren; allesamt Paare, keine davon mein "Typ"...

Ich fragte mich, ob es denn wohl irgendwo eine Frau geben mochte, die Frauen liebte und die mir gefallen könnte... ich kannte ja keine Lesben...

Aber, egal, ob mir nun eine der Anwesenden gefiel oder nicht: diese Frauen hatten das ganz offenbar geschafft, was mir wie eine schier unüberwindliche Hürde vorkam - sie schienen zu wissen, wer sie waren... und das auch gern und mit voller Zustimmung zu sein.

Erst später wurde mir klar, dass es haufenweise lesbische Frauen gibt, die nur in lesbischen Zusammenhägen wirklich zu ihrer Lebensart stehen können - im öffentlichen Leben aber ihren Schrank immer dabei haben.

Diese Frauen kamen mir eben damals wie Heldinnen vor. So gern hätte ich mich mit Einer unterhalten, sie ausgefragt, aber auch dazu fehlte mir der Mut...

Naja, am Ende saßen wir zwei dann mit 5 aufgeweckten Schwulen am Tisch; mein Freund amüsierte sich, ich hatte Spaß - und bekam doch noch ein paar CO-Geschichten zu hören; eben halt von diesen Männern.

Aber geholfen hatte mir der Ausflug trotzdem.
Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass ich nicht allein bin mit diesem "lesbischen Gefühl" - und das tat einfach gut.


Und so ging ich auch danach noch öfter in diese kleine Disko, lernte Frauen und Männer kennen und hörte ihre Geschichten.

Nach meinem CO habe ich im Lauf der Jahre immer weniger "Szene-Bedürfnis" gespürt. Ich bin voll integriert in die heterosexuell geprägte Umwelt, habe kaum lesbische Freundinnen (aber die wenigen, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind, bedeuten mir wirklich sehr viel) - und das ist auch OK. Das Bad in der lesbischen Menge brauche ich nicht mehr.

Nur selten besuche ich "lesbische" Veranstaltungen; meist Tanzveranstaltungen.

Und dennoch fand ich toll, in diesem Jahr zum ersten Mal einen CSD besucht zu haben. Gar nicht, weil ich mich unter "Meinesgleichen" besonders aufgehoben fühlte (aufgehoben fühle ich mich in meinem diekten Umfeld - auch ohne Lesben außer mir und meiner Frau), sondern weil es mir ein Bedürfnis war, sichtbar unter jenen zu sein, die wie ich den Wunsch haben, nicht länger auf vielfältige Art diskriminiert zu werden, zu demonstrieren für gleiche Rechte.


shark
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acuariana69
Beitrag 24.Jul.2008 - 14:25
Beitrag #14


Naschkatze
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:blumen2: Hallo Geneviève!

Gerne teile ich mit Dir meine Impressionen vom letzten Samstag :D

Das war mein erster Lesben-Disco Besuch und überhaupt, erster Kontakt.

CSD-Versanstaltung in Erfurt, Unikum.

...An dem Abend...kurz nach meiner Bestandsaufnahme:
--->Allein, 39, sympatisch, tanzlustig, neugierieg, Coming Out sehr frisch, noch kein Kontakt zu Gleichgesinnten Schwestern :rolleyes: ...
Fläschen Bier geöffnet und an der Balkontür geraucht und gesäuft...
Schöne Dance Musik zusätzlich Tabak-Alkohol-Mix --->Resultat -->"Ich gehe allein hin!!!"

Mich wohl angezogen, meine vom Wohlfühl-Kleidung oder einfach mein Stil, einfach ich
-->Strassenbahn ca. 0.00 Uhr und los
An der zweite Haltestelle nahm ich Gleichgesinnten wahr :unsure: :D -->Gemischte Gefühle...

Angekommen, uuuuy, wieder gemischte Gegühle plus flatternde Bauch...aber auch ein Lächeln in mir und ausser mir!
Nun, richtung Eingang laufen...mmmm..."...da draußen unterhalten sich welche Gleichgesinnten...mmm...werde ich angeschaut oder geglotzt???..."
Coooool, das war so einfach vorbei zu gehen und keiner hat auffällig geschaut, es war "easy", ein gutes Gefühl in mir...
Ok, Jungs an der Kasse, ok, €5, ok, fein...in die Tasche reingeschaut und Eingangsreif.

Drin
Uuuuuuuhuhuhhu, ok! Und jeztzt??? Ein Drink!
Gedanken und Gefühlen..."Musik ist gut!!! Let's dance baby!!!"..."Ok, nimm Dir Zeit, ruhig, alles ist in Ordnung..."
Einige Jungs mit Jungs, einige Frauen mit Frauen, alle waren da, so normal, so bequem, so natürlich, so leicht...
Es tat soooooooooooo guuuuuuut!!!!!!

Geneviève, ich fühlte mich irgendwie "Zuhause".
Klar, ich blieb lange aus der Tanzfläche... :roetel: trotzdem die ganze Zeit mit mir getanzt und mich genossen, ab und zu ein paar Blicke geworfen, andere male zufällige streichelnde Blicke gewagt...

Nun, der erste Blickkontakt hat mich erschrocken! :unsure:
Dann das erste Gespräch an der Theke...mmmm.... :roetel:
Dannach weitere Blicke, Blickkontakte,...die durch die Diskobeleuchtung noch intensiver waren...
Irgendwann tanzte ich mit geschlossenen Augen :wacko:

Dann das was für mich aussah wie ein Kontaktversuch mit streichelnden Blicken...da war ich weeeeeeeg!!!!!!
Tja...ich bettelte dass die schöne Muse mich nicht anspreche...ach je!

Nun gut, die Fazit:
Es war schön!!!! Eine wunderschöne Nacht!

Ich freue mich meine erste Erfahrung mit Dir, mit euch teilen zu können.

Alles Liebe!
Bis bald.
Acua
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Geneviève
Beitrag 24.Jul.2008 - 18:08
Beitrag #15


Vorspeisenexpertin
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Hallo ihr alle,

erst einmal herzlichen Dank für jede einzelne eurer Erzählungen!
Tut mir sehr gut, all das zu lesen. Macht mich positiv nervös und werde ich sicher noch mal ganz in Ruhe lesen. :)

@DerTagAmMeer:
Keine Sorge, deine Berichte haben mich nicht abgeschreckt – wenn ich Termine für mich festsetze, dann meine ich sie auch; andernfalls komme ich nicht auf die Idee, sie zu erstellen. :)
Es geht mir gar nicht darum, möglichst geschönte Berichte zu lesen, sondern einfach die Realität (die ja sowohl großartig als auch mies sein kann und eine Menge dazwischen). Denn in der befinde ich mich nun mal.
Negativ-Berichte schrecken mich daher nicht ab, dann weiß ich einfach, wofür ich mich wappnen sollte und das gibt mir Sicherheit. Und die Tatsache, dass man auch negative Erlebnisse überlebt und dennoch weiter macht, sowieso.
Ich halte es für mich eigentlich immer so, dass ich das Beste hoffe, das Schlimmste mit einplane und mit einem Mittelding rechne. Ausschläge in die eine oder andere Richtung muss ich dann entsprechend für mich bearbeiten, aber das kann ich, nehme ich an. Und wenn nicht, lerne ich es eben.


:blumen2: an euch alle,

Geneviève
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H_Golightly
Beitrag 28.Jul.2008 - 04:27
Beitrag #16


Naschkatze
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Hallo Geneviève,

meinen ersten Kontakt zu anderen lesbischen Frauen hatte ich Anfang diesen Jahres. Ich dachte mir, es kann einfach nicht mehr so weiter gehen, dass ich keine einzige lesbische Frau kenne und aus diesem Grund suchte ich mir gezielt im Internet eine Coming- Out- Gruppe in meiner Nähe aus. Beim ersten Treffen war ich ziemlich nervös, weil ich nicht wusste, was mich da erwarten würde. Doch es stellte sich schnell heraus, dass dort alles ganz normale Menschen sind und meine Sorgen unbegründet waren. :D So weit, so gut.
Jetzt- ein gutes halbes Jahr später- kann ich sagen, dass die "Problembewältigung" an sich in der CO- Gruppe viel zu kurz kommt und ich nicht wirklich weitergekommen bin. Ich finde es zwar gut, dass man Gleichgesinnte treffen kann (die lieb und nett sind) und auch Dinge zusammen unternimmt, aber es werden keine Probleme angesprochen. Ich hätte mir eine CO- Gruppe eher so wie eine Selbsthilfegruppe vorgestellt, in der man auch mal über Schwierigkeiten, die man mit seinem CO hat, sprechen kann (oder habe ich womöglich eine falsche Vorstellung von einer CO- Gruppe?). Es ist in der Gruppe eher so, als ob alle mit einem offenen Geheimnis hingehen. Jede Frau weiß von der anderen, dass sie irgendwie auf Frauen steht. Geredet wird über alles Mögliche, nur nicht über das Lesbischsein. Das finde ich eigentlich ziemlich merkwürdig. :was: Vielleicht ist das ganze Konzept ja auch irgendwie beabsichtigt? :gruebel:
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Marsali
Beitrag 28.Jul.2008 - 14:03
Beitrag #17


Satansbraten
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Hallo Holly,

das ist ja wirklich ein wenig merkwürdig. Wahrscheinlich mag keine drüber reden, weil es miteinander ja kein Thema ist. Wie auch immer. Was mich interessieren würde - wie hast Du diese Gruppe in Deiner Nähe gefunden?

Ich teste mich CO-mäßig ja auch immer weiter vor, erwähne nebenbei, wenn ich mit Freunden/Freundinnen zusammen bin, dass ich mir auch eine Frau an meiner Seite vorstellen könnte und erlebe amüsierte bis entsetzte Reaktionen. Eigentlich unnötig, weil es ja überhaupt keine Frau kenne, die ich vorstellen müsste und auch nicht weiß, ob das je so sein wird - aber ich kann es so schlecht für mich behalten, weil ich mich irgendwie drüber freue, dass ich das nun für mich entdeckt hab und auch annehmen kann.

Jedenfalls würde ich mich auch für so eine Gruppe interessieren. Einen Versuch ist es allemal wert und wenn keiner drüber sprechen will, dann frage ich einfach...

B)
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Liane
Beitrag 28.Jul.2008 - 14:57
Beitrag #18


Heiligenanwärterin
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QUOTE (H_Golightly @ 28.Jul.2008 - 05:27)
Geredet wird über alles Mögliche, nur nicht über das Lesbischsein. Das finde ich eigentlich ziemlich merkwürdig. :was: Vielleicht ist das ganze Konzept ja auch irgendwie beabsichtigt? :gruebel:

Hast Du denn von Deiner Seite schon Probleme angesprochen? Vielleicht geht es einigen genauso wie Dir, aber niemand wagt es, den Anfang zu machen. Andere wieder haben vielleicht gar kein Bedürfnis danach bzw. sehen keine Probleme in ihrem Lesbischsein.
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marie87
Beitrag 28.Jul.2008 - 19:21
Beitrag #19


Suppenköchin
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huhm... erste kontakte... ich stecke wohl immernoch am anfang fest. mein erster "kontakt", wenn ich das so nennen kann, war hier dieses forum. ich habe gelesen und geschrieben und alles fühlt sich so richtig und schön an...
ich vermute, dass mir das vorher nur nicht so aufgefallen ist, aber seit ich mich selbst in eine frau verliebt habe, sehe ich viel öfters andere lesbische pärchen, höre und sehe in meinem freunden-und bekanntenkreis immer wieder welche. mein co ist noch nicht abgeschlossen. aber bisher waren alle nicht wirklich überrascht. was Mich wiederum immernoch jedesmal total verblüfft. warum überrascht sie das nicht??? gut. also nicht überrascht, aber nur positive, sogar über-positive reaktionen :-) (einige waren schon so aus dem häuschen und haben sich gefreut, dass sie das feiern wollten, sekt gekauft haben und auf meine frauen-liebe angestoßen haben) :-)
also... weiter mit dem eigentlichen thema. ich wollte mal in ein cafe gehen, wo freitags immer feten stattfinden, aber mir wurde von einem freund (er ist schwul) abgeraten. er meint "die szene" ist manchmal ziemlich krass und kann echt doof sein... woraufhin ich einen rückzieher gemacht habe. er würde mit mir kommen, aber ich bin einfach unsicher geworden, ob ich das noch möchte und ob es mir etwas bringen würde. ich weiß manchmal auch nicht so genau, was ich dort wollen würde/sollte....
an dem wochenende als in köln csd war (dieses jahr) war ich dort. eigentlich zufällig, weil ich bei einem konzert war. nach dem konzert hatte ich noch etwas zeit bis mein zug kam und ich war alleine unterwegs. und WOW das war toll! ich habe mich soooo wohl gefühlt. die nacht war überhaupt total schön. mild mit toller luft. und dann habe ich dort noch eine frau kennen gelernt, mit der es wirklich spaß gemacht hat zu sprechen und überall sind gleichgesinnte herum gelaufen :-) das war wirklich eine tolle erfahrung, an die ich mich jeden tag ein paarmal erinnere.... das war einer meiner schönsten abende....
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H_Golightly
Beitrag 28.Jul.2008 - 22:14
Beitrag #20


Naschkatze
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QUOTE (Melancholia @ 28.Jul.2008 - 14:03)
Was mich interessieren würde - wie hast Du diese Gruppe in Deiner Nähe gefunden?

Das war ganz einfach. Ich habe im Internt geguckt, ob die großen Städte, die in meiner Nähe liegen, etwas für lesbische Frauen im Angebot haben. Schnell entdeckte ich eine CO- Gruppe nicht weit von meinem Wohnort entfernt. Hab' eine Mail geschrieben und wurde daraufhin ganz schnell zum ersten Treffen eingeladen. :) Sicherlich gibt es solche Treffen auch in deiner Nähe.

QUOTE (Liane)
Hast Du denn von Deiner Seite schon Probleme angesprochen? Vielleicht geht es einigen genauso wie Dir, aber niemand wagt es, den Anfang zu machen. Andere wieder haben vielleicht gar kein Bedürfnis danach bzw. sehen keine Probleme in ihrem Lesbischsein.

Ich denke schon, dass Redebedarf besteht, sonst wären sie ja alle in den Gruppen für "Fortgeschrittene" und nicht in einer sogenannten "CO- Gruppe". Ich habe eher den Eindruck, dass alle noch zu ängstlich sind, um darüber zu reden. Und von mir aus will ich auch keinen mit meinen Problemen belästigen. Es muss ja auch von der Situation her passen.
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