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> "altrömische dekadenz"
blue_moon
Beitrag 16.Feb.2010 - 17:07
Beitrag #1


strösen macht blau!
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guido westerwelle ist derzeit als aussenminister offenbar nicht genug ausgelastet. so verbringt er seine zeit offenbar mit einem neuen hobby: sozial-bashing. für den wahlkampf in nrw scheint dem vorsitzenden der fdp momentan jedes verbale mittel recht. dazu wird munter auf die sozial schwächsten der gesellschaft eingedroschen und - für meine begriffe höchst verantwortungslos - der sozialneid geschürt. dabei hat die fdp an der entwicklung des sozialstaats - oder nach westerwelle lesart: sozialismus - grossen anteil gehabt. dazu muss man nur die beteiligungen an den diversen regierungen sehen - aber bei einer halbierung der wähler-zustimmung zur fdp ist wohl die eine oder andere graue zelle dieser erinnerung nicht mehr gewogen und blendet solche einfach aus.

ich ärgere mich über solche dreisten manöver, weil sie auf kosten derer geht, die eh keine lobby haben - und die der fdp nicht mal annähernd soviel geld spenden könnte, wie gewisse bevorzugte branchenvertreter es können.

soll die fdp doch mal nachweisen, was noch aussteht, nämlich dass sie die wirtschaft und die konjunktur ans laufen bringen können. dann wären solche verbalen radikal-attacken auch nicht nötig.

artikel zu den vorgängen sind überall zu finden. z. b.
hier
hier
hier
oder
hier


edit: kleine korrektur

Der Beitrag wurde von blue_moon bearbeitet: 16.Feb.2010 - 17:31
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McLeod
Beitrag 16.Feb.2010 - 17:39
Beitrag #2


mensch.
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Unter altrömischer Dekadenz verstehe ich das Phänomen Bankmanager/innen, die auch ohne Erfolg Boni kassieren. Oder staatlich subventionierte Branchen, in denen die Gehaltsstruktur weiterhin zahlreiche Ebenen > 100.000 Euro verdienen lässt.

Oder Senkung von Mehrwertsteuersätzen, ohne dass sich der Endverbraucherpreis verändert oder die Mitarbeiter/innen-Entlohnung verbessert wird.

Sendungen, wie "mein Haus, meine Yacht, morgen ziehe ich meine Drittvilla am Strand" mit irgendwelchen erfolgreichen oder zumindest hochverdienenden, oft gelangweilten Käufer/innen und deren Appanage (wie auch immer sich das schreibt).

Altrömische Dekadenz nach der Zeit der alten Römer ist "Das Volk hat kein Brot? Dann soll es Kuchen essen!" (Marie Antoinette, wenn ich mich nicht irre)

Und "Wir subventionieren alle freimarktliche Ausbeuterei und schämen uns nicht der Steuerhinterziehung oder Parteispendenverschleierung."

Ach, ich könnt schon wieder....

Das Weltbild diese Westerwelle-Zitats ist so schief wie ein dreigestrichenes Cis einer Katze, der Herr Bohlen ja gerne mal auf den Schwanz tritt!

McLeod
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Anahita
Beitrag 16.Feb.2010 - 17:47
Beitrag #3


Salzstreuerin
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Die FDP, und allen vorneweg Westerwelle, sieht sich offenkundig nicht als Volkspartei.

Das draufschlagen auf Menschen die sowieso nicht zur Wählerschaft zählen, hier die HARTZ 4 Empfänger, und andererseits das Hätscheln derjenigen die die FDP offenbar zur Stammwählerschaft zählt, hier die Hoteliers, spricht Bände.
Zumal das Hätscheln der Hoteliers noch durch eine Großspende befeuert wurde, aus FDP Sicht offenbar ein normaler Vorgang.

Mit was für einer Partei es man da zu tun hat verdeutlicht am besten Dirk Niebel. Vor der Bundestagswahl ein vehementer Kämpfer für die Abschaffung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Nach der Wahl dann plötzlich Minister genau dieses Ministeriums.

Das die FDP jetzt bei nur noch 8% Zustimmung steht verwundert dann nicht – und verwundert gleichzeitig doch, denn wer um alles in der Welt sind diese 8%?
Eine mögliche Antwort was für Menschen immer noch zur FDP stehen liefert da Harald Schmidt: Man sieht gar keine FDP Wähler mehr auf der Straße, wo sind die alle? Auf dem Finanzamt, bei der Selbstanzeige!
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 19:31
Beitrag #4


Naschkatze
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Womit genau schlug er denn mit seinen Aussagen auf sozial Schwache ein?


Was er polemisch (leider) untermauerte war, dass bestimmte Gruppen der Bevölkerung nicht mehr beachtet werden in der Diskussion. Im Grunde erscheint es mir wie so oft im Leben, jene die Steuern zahlen werden nicht besonders beachtet.
Zur Polemik: sie nimmt sich nichts in der Diskussion. Historische Vergleiche führen immer dazu, dass diese auseinandergenommen werden. Fragt sich ob es damit nicht mal reicht und der Faktencheck ansteht. Oder ist es so gefährlich was er sagt, dass es hierzu in der politischen Diskussion nicht kommen darf?
Es mutet fast so an wenn es dagegen legitim ist Menschen als Esel o.a. zu bezeichnen. Besser sollten alle Beteiligten sich auf Inhalte besinnen statt sich gegenseitig eine Polemik vorzuhalten der sie in nichts nachstehen.


Ich mag mich irren aber Westerwelle sagt wohl nicht, dass Hartz 4 verringert werden soll. Was ich las war, dass es Grenzen gibt es zu erweitern. Letzteres verlangte nebenbei auch kein BGH Urteil. Und wenn ich bei der letzten Wahl "Reichtum für alle" las, fragte ich mich schon wohin dass den einzelnen "Reichen" hinnevellieren mag.

Ich bin dafür die Sozialausgaben zu dekeln. Mal aus dem Kopf (bin aber recht sicher dass Quellen leicht zu finden sind). Jeder Bundesbürger zahlt (durchschnittlich) 12.500 Euro an Sozialleistungen/-versicherungen im Jahr.

Sozialausgaben (einschließlich Sozialversicherungen und den entsprechenden Zinsen Im Haushalt) ergeben 60 % des Staatshaushaltes.

Ich empfinde es nicht so, dass Westerwelle nur Klientelpolitik macht. Jedenfalls nicht sieht eine die FDP Klientel in den Spitzensteuersätzen. Es gab in der Vergangenheit eine Absenkung der Steuersätze und sie betraf alle Tarife.

Ich vergleiche mal zwei Jahre:

2002–2003 Steuerplicht ab € 7.235 Einkommen 19,9 % ab 55.008 48,5 % Steuersatz.
2010 Steuerpflicht ab € 8.004 Einkommen 14 % ab 52.882 42% Steuersatz , ab 250.731 45 % Steuersatz.

Dazwischen schlägt die Progression auf ihre Art zu.

In der Diskussion gibt es nur die Armen die scheinbar geschröpft werden durch eine Reduzierung des Einkommenssteuersatzes und Reiche die übergebür bepuschelt werden. Was aber leicht übersehen wird ist, durch immer höhere Abgabenlast neben der Einkommenssteuer nevillieren d.h. schröpfen wir die kleinen Angestellten. Der Mittelstand ( den Westerwelle anspricht) fängt steuertechnisch ab 13.00 Euro jahreseinkommen an.


Im Grunde gibt es zwei Arten an die Diskussion heranzugehen.

Wir können schauen was wir an Sozialausgaben meinen zu brauchen und dann den Steuersatz erhöhen mit dem Ergebnis dass die Steuerlast ab jetzt 8004 Euro im Jahr Einkommen steigt und Menschen näher auch durch Abgaben an die Untergrenze getrieben werden ( mit Ausnahme jener denen es egal ist weil sie eh Asche ohne Ende haben, denen hilft aber auch kein Westerwelle weil sie dessen Absenkungen an einem Tag an Schampus verpulvern).

Oder wir schauen was wir zu verteilen haben und deckeln es ohne dabei Menschen verhungern zu lassen.

Und wenn eine Transferleistungen betrachtet bitte ich davon Abstand zu nehmen sie auf 356 Euro zu reduzieren und Leistungen für Wohnung und Nebenkosten dabei zu unterschlagen.



Nun ich bin gespannt wie diese Diskussion hier verläuft. Ob es heißen wird "Reichtum für alle", wir können ja immer noch von "oben" abschöpfen oder ob ggf. alle Bevölkerungsgruppen ihr Recht auf Einkommen behalten in der Diskussion.
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 19:48
Beitrag #5


Naschkatze
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Nebenbei...die FDP bekam eine Million Spenden von Mövenpick. etwas was unser Gesetz vorsieht. Denn Parteien dürfen nur zu einem gewissen Prozentsatz aus Steuergeldern finanziert werden. Spendenaufkommen im letzten Jahr für Parteien 20 Millionen Euronen.

Arme FDP. ;-)


Phhhuuuuu, hätte auch nicht gedacht mal dem Westerwlle gedanklich zu unterstützen. Aber eine ähnliche Situation hatte ich sogar schon mit dem Papst. Da kommt eine aber auch manchmal in Situationen im Leben. :-)
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DerTagAmMeer
Beitrag 16.Feb.2010 - 20:31
Beitrag #6


Adiaphora
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In der taz stand gestern eine sehr pointierte Antwort auf Westerwelles historischen Ausrutscher, die Parallelen zwischen der Antike und uns etwas differenzierter betrachtet.
ZITAT
Die Expansion des Imperiums führte zu einem Zufluss preiswerter Arbeitskräfte in Form von Sklaven nach Italien selbst, aber auch zu einer Billigkonkurrenz aus anderen Teilen des Imperiums. Es gab keine Nachfrage mehr nach gering qualifizierten Tätigkeiten, die Bewohner der wohlhabenden Kernzone des globalisierten Wirtschaftsraums noch hätten ausüben können. Die stadtrömische plebs war fortan auf öffentliche Unterstützung angewiesen, die sie mit der Lex frumentaria des Jahres 123 v. Chr. auch erhielt. [...] Um die Mitte des Jahrhunderts bezogen rund 320.000 Menschen das kostenlose Getreide, mithin rund jeder zweite römische Vollbürger. Nach erfolgreicher Machtübernahme reduzierte Cäsar den Empfängerkreis mit einer Art antikem Hartz-IV-Gesetz auf rund 150.000 Personen [...] Als zweites Hilfsmittel, das der Ruhigstellung der unterbeschäftigten Massen diente, gelten die öffentlichen Spiele - ob es nun die brutalen Tierhetzen waren, für die später das Colosseum erbaut wurde, die Wagenrennen im Circus Maximus oder die nicht ganz so populären Festspiele im Theater. Insgesamt ergab sich ein Zusammenspiel von Sozialleistungen und Unterhaltungsangebot, das tatsächlich starke Assoziationen mit der heutigen Unterschichtsdebatte über Hartz IV und Fernsehkonsum weckt.
Ganzer Artikel
So gesehen verschiebt sich das Problem. Und zwar sehr deutlich. Unterbeschäftigung und Dekadenz war die Folge von Kriegen, Raubzügen, Ausbeutung, Versklavung und Globalisierung und nicht der Bürger, die durch diese Politik ihre Lebensgrundlage verloren.

Ich habe aufgehört, mich über diesen Mann zu ärgern. Eigentlich bin ich fast erleichtert, mit welchem Eifer er sich selbst das Wasser abgräbt. Ich hoffe auf die NRW-Landtagswahlen im Mai und drücke bis dahin alle Daumen und Zehen für gelbe 4,8.
Und wenn die Leute jetzt noch immer nicht aufgewacht sind weiter hoffen, die FDP brächte ihnen "Wachstum" und "Steuererleichterung" auch ohne gewichtige Parteispenden, sind sie selbst schuld. Er ist nicht besser als sein Vorgänger Möllemann - sich nicht zu schade, der Polarisierung willen den sozialen Frieden zu attackieren. Ich mag einfach nicht glauben, dass er damit noch einmal Erfolg hat.
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 20:43
Beitrag #7


Naschkatze
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Polarisierung hat Westerwelle erfunden, stimmt...so was gab es niemals nicht zuvor :-))

Und wer welchen sozialen Frieden wie gefährdet würde ich gern betrachten.
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 21:07
Beitrag #8


Naschkatze
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ZITAT(DerTagAmMeer @ 16.Feb.2010 - 20:31) *
Er ist nicht besser als sein Vorgänger Möllemann - sich nicht zu schade, der Polarisierung willen den sozialen Frieden zu attackieren. Ich mag einfach nicht glauben, dass er damit noch einmal Erfolg hat.



Ich bitte dies näher auszuführen, gern an Aussagen der beiden Politiker.
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Anahita
Beitrag 16.Feb.2010 - 21:33
Beitrag #9


Salzstreuerin
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@ella1

Wenn sich die FDP, namentlich Westerwelle, doch so sehr um diejenigen Steuerzahler sorgt die nur knapp über den HARTZ Regelsätzen liegen, wieso ist denn dann die FDP so strikt gegen Mindestlöhne?

Gegen Mindestlöhne sein und sich dann darüber mokieren das der Lohn der €4/Stunde Frisörin nicht an die HARTZ Leistungen heranreicht, das passt doch irgendwie nicht zusammen.
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 21:48
Beitrag #10


Naschkatze
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ZITAT(Anahita @ 16.Feb.2010 - 21:33) *
@ella1

Wenn sich die FDP, namentlich Westerwelle, doch so sehr um diejenigen Steuerzahler sorgt die nur knapp über den HARTZ Regelsätzen liegen, wieso ist denn dann die FDP so strikt gegen Mindestlöhne?

Gegen Mindestlöhne sein und sich dann darüber mokieren das der Lohn der €4/Stunde Frisörin nicht an die HARTZ Leistungen heranreicht, das passt doch irgendwie nicht zusammen.



Interessantes Thema. Ich denke es ist eines welches nochmal andere Gedanken erfordert.

Ich denke ich würde einige Angestellte entlassen würden Löhne steigen.

Nebenbei war ich heute in Berlin beim Frisör. 10 Euro. Die unterbieten sich gegenseitig. Ich glaube nicht dass die Angestellte mehr als zwei Schnitte durchschnittlich in der Stunde macht. Rechne selbst Kosten für Material und Laden ab. Und dann halbiere den Rest wegen der Nebenkosten.

Ich denke Hartz 4 ist ca. bei 4,50 Euro bis 5 Euro netto. Wie würde dein Mindestlohn aussehen?


Wieso wird meine Straße nicht geräumt wo ich doch den Bürgersteig räumen muß. Fehlt das Geld für einen Mindestlohn?

Wieso fielen die letzten Jahrzehnte so viele Dienstleistungen weg. Wo ist mein Brötchenmann?

Wieso werden Putzfrauen bei "....." gesucht für 10 Euro auf die Kralle? Gibt es ggf. Scheu vor den Nebenkosten?

Haben wir ihn nicht den Mindestlohn, siehe Hartz 4?

Und wieso arbeiten die meisten Aufstocker unter 15 stunden die Woche und nur jeder fünfte Vollzeit?

Und kann es sein, dass in diese Vollzeitstatistik jene eingerechnet werden die über die Arge Praktika machen ...nun diese Geschichte erzähle ich ggf. irgendwann.

Von mir aus sollen alle einen Mindestlohn bekommen. Allerdings sage ich, ich stelle nur zu dem Preis ein der sich für mich auszahlt. Von mir aus ne Nullnummer aber nicht darunter.

Der Beitrag wurde von ella1 bearbeitet: 16.Feb.2010 - 21:53
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Anahita
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:06
Beitrag #11


Salzstreuerin
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Das so viele nicht Vollzeit sondern nur Teilzeit arbeiten ist leicht beantwortet, es rechnet sich für die Firmen einfach sehr viel besser. Die entlassen ja sogar Vollzeitkräfte nur um danach Teilzeitjobber einzustellen.

Und dein Brötchenmann würde noch zu dir kommen wenn du bereit wärst für diese Dienstleistung ordentlich zu bezahlen.

In 20 der 27 EU Ländern gibt es den Mindestlohn, auch dort werden noch Haare geschnitten.

In Frankreich beträgt der Mindestlohn ca. @8,40/Stunde, das wäre auch für Deutschland ein Richtwert.
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Grübler
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:07
Beitrag #12


blau ist gesund
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ZITAT(Anahita @ 16.Feb.2010 - 21:33) *
@ella1

Wenn sich die FDP, namentlich Westerwelle, doch so sehr um diejenigen Steuerzahler sorgt die nur knapp über den HARTZ Regelsätzen liegen, wieso ist denn dann die FDP so strikt gegen Mindestlöhne?

Gegen Mindestlöhne sein und sich dann darüber mokieren das der Lohn der €4/Stunde Frisörin nicht an die HARTZ Leistungen heranreicht, das passt doch irgendwie nicht zusammen.


Hallo,

ich bin zwar nicht gemeint und doch möchte ich mich gerne dazu äußern.

Der Kern unserer Marktwirtschaft ist "Angebot und Nachfrage bestimmen das Angebot". Wenn in einer Straße 4 Frisöre ein Geschäft hätten und die Preise sehe wie folgt aus (für denselben Schnitt) 8€, 10€, 25€ und 50€. Dann würde ich arg vermuten, dass die wenigsten zu den 50€ Laden gehen. Warum? weil das Angebot die Nachfrage bedient.

Zum Punkt "Aufbaugeld vom Staat". Ja, finde ich nicht gut. Aber es ist notwendig. Meiner Meinung nach müßten die Frisöre den Leuten mehr zahlen. Das Totschlag Argument schlechthin "aber dann muß ich den Laden schließen". Mein Argument "Hol Dir jemanden der den Laden zum Laufen bringt, organisier Dich anders, erober Dir einen zusätzlichen Markt, oder schließe einfach." Jetzt kommt der Aufschrei "nein und xyz". Okay, wie hoch sind die Nebenkosten für den Laden? ich meine jetzt die Sachbearbeiter auf dem Amt, die Statistiker die das auswerten, die Finanzbeamten usw. Die wollen auch alle ihr Geld. Okay, das ist eine Milchmädchenrechnung (IMG:style_emoticons/default/wink.gif)

Mindestlohn. Ehrlich, nach all den Jahren, verstehe ich nicht was daran so toll sein soll. Erstmal gibt es eine Tarifautomie. Im Kern steuern die Gewerkschaften, wer wieviel Lohn erhält unter Einbeziehung der Nord-Südseite und dem Ost-West Gefälle. So auf einen Nenner gebracht. Wenn es einen Mindestlohn von 5 Euro geben würde, dann müßte er auch bezahlt werden. Sei es in München oder in Brandenburg. Nur die Lebenshaltungskosten in München sind anders als in Brandenburg. (mir fällt gerade keine Stadt ein, sorry). Und nun? Gibt es jetzt einen Mindestlohn für München und einen eigenen für Brandenburg? opps, dann sind wir aber bei den Tarifen angekommen... sowas aber auch.
Ökonomisch betrachtet, muß eine arbeitende Persönlichkeit ein mehrfaches an Wert erarbeiten, als das was es verdient, um sich und die Gemeinschaft am Leben zu erhalten.

Zum Westerwelle. Okay, er redet. er sagt was. Aber was sagt er? was ist sein Inhalt, was ist sein Ziel? Ich lasse mich nicht auf eine Hartz IV Diskussion ein. Sollen die Leute das bekommen was sie jetzt bekommen. Aber die die arbeiten, die sollen mehr bekommen. Ich möchte, dass ein Arbeiter mit 3 Kindern mehr bekommt, als ein Hartz IV mit 3 Kindern. So einfach. Das WIE ist eine andere Sache. Viellicht könnten wir hier einen gemeinsamen Nenner finden.

So ich mach mal Schluß, sonst wird mein Beitrag zu lang.


Gruß
Grübler
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McLeod
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:17
Beitrag #13


mensch.
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ZITAT(ella1 @ 16.Feb.2010 - 19:31) *
Sozialausgaben (einschließlich Sozialversicherungen und den entsprechenden Zinsen Im Haushalt) ergeben 60 % des Staatshaushaltes.


Da ich "das Soziale" als eine Hauptaufgabe des Staates empfinde (alle zahlen in einen Topf, um sich die Kosten für Bildung, diverse Infrastrukturen*, Krankheit und Arbeitslosigkeit zu teilen), finde ich daran nichts Verwerfliches.

* weil Post und Telekommunikation und bald wohl auch Schienen-Personentransport aus dieser Grundversorgen herausgelöst werden / worden sind.

Dass im Moment wieder - ich werd mal medienkritisch - das Augenmerk auf die Inanspruchnehmenden des Sozialstaats gelenkt wird, ist schon nah an Klientelpolitik in meinen Augen. Politik ist halt mittlerweile auch Übersteiger (um mal wieder fußballerisch zu werden) und Nebelkerzen-Weitwurf. Ich glaube, unsere Staatsform wäre sehr viel weniger problematisch ökonomisch ausgeglichen zu gestalten, wenn weniger Steuern hinterzogen werden (huhu nach Bayern... 290undeinpaar Selbstanzeigen in 1 Woche...) und Unternehmen nicht Arbeit gnadenlos ins Ausland verlagern, um dafür auch noch ggf. per Subvention dort / via EU belohnt zu werden.

Kommunen, Bundesländer und Bund sollten sich vielleicht weniger als "Unternehmen" verstehen, die sich in gegenseitiger Konkurrenz Firmen per Gewerbesteuersenkung abspenstig machen, sondern als Netzwerk von und für die Bürger/innen. Als gesellschaftsprägendes und richtungsweisendes Fernlicht und nicht als Zahlenkolonnenverwaltende mit Kämmererseele. Wie bei einem Haus: natürlich muss es bezahlt werden, aber ich kann für dasselbe Geld eine zugige und schlecht geschnittene Bretterbude abliefern oder ein durchdachtes und konstruktiv schlaues Wohnwunder. Oder fußballerisch: ich kann Toni Krooß auf der Bayernbank den Sitz wärmen lassen oder für dasselbe Geld Tore in Leverkusen schießen lassen und ihm den Weg für Weiterentwicklung öffnen.

Erfolg ist nicht eine Frage des Geldes, sondern des Konzepts und des Könnens. Und 3 Euro ins Phrasenschwein. Gerne doch (IMG:style_emoticons/default/wink.gif)

Die Hatz IV-Problematik hängt vermutlich tatsächlich nicht an der transparenten und nachvollziehbaren Berechnung, sondern an der Bezahlmoral von Chefs und Unternehmen, die den Niedriglohnsektor nutzen oder sich in falsch verstandenem Marketing per Preiskampf dorthin begeben. Und auch vielleicht daran, dass es noch undenkbar ist, Sozialleistungsempfangende im Rahmen der individuellen Möglichkeiten Arbeit für die Gemeinschaft leisten zu lassen. Vielleicht ein paar Stunden Unkraut jäten von der alleinerziehenden Mutter im Monat und täglich 2 Stunden Straßenkehren vom arbeitssuchenden Elektroingenieur. Vor allem als mit einem dankbaren Lächeln entgegengenommene Leistung. Die Atmosphäre, auf 1-Euro-Kräfte herabzublicken zu verändern, wäre hilfreich, wenn nicht gar Grundvoraussetzung.

Das so als wilde und bestimmt auch unausgegorene Gedanken- und Ideensamlung (IMG:style_emoticons/default/biggrin.gif) Immer gerne auseinandernehmen und durchpflügen.
McLeod grüßt herzlich in die Runde
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:24
Beitrag #14


Naschkatze
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Ok....ich gehe davon aus, dass Hartz 4 mit Miete, Nebenkosten KV u.a. ca. 850 Euro ausmacht, lass es weniger sein (ein paar Euronen), das ergäbe einen Mindestlohn von ca. 5 Euro...... .

Das würde allerdings eine 40 Stunden Woche erfordern. Von mir aus gern.


Von mir aus auch ein Bürgergeld von 1000 Euro. Aber ich sage vorraus, dies wird nicht lage reichen, würde doch die Preise steigen.

Ca. 20 %der Schulabgänger sind ohne Abschluß, da hilft auch kein Mindestlohn. Die erwirtschaften ihn einfach nicht.

In Zukunft werden wir Probleme haben Arbeitsplätze zu besetzen aber es wird immer noch Arbeitslose in Deutschland geben.

Und ich würde den Brötchenmann zahlen würde ich nicht 42 % Einkommenssteuer + 19 % Mehrwertsteuer auf alles zahlen.

Es gibt Grenzen und diese sind erreicht.

Und so spart eine beim Einkauf und die Spirale dreht sich.... .

Und es gibt immer mehr Aufstocker denn "Geiz ist Geil".... und und, und, und







Wieso solle eigentlich nicht ein Unternehmen in die Eu gehen...werden dort nicht auch Arbeitsplätze geschaffen. Die Welt dreht sich nicht um Deutschalnd. ;-)
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:33
Beitrag #15


Naschkatze
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Nebenbei wer hier Frankreich und Mindestlohn vergleicht.....habt ihr mal in Paris gelebt....oder anderswo in Frankreich?


Es scheint immer sehr nett. Aber lebe mal als Ausländer, Deutscher dort und vergleiche die Sozialsysteme.

Und erwarte nicht dass du einen Cent aus ihnen bekommst.

Und Frankreich hat eine Armut die wir uns hier nicht annährend vorstellen können. Auch was Altersarmut betrifft.

Der Beitrag wurde von ella1 bearbeitet: 16.Feb.2010 - 22:34
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Anahita
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:38
Beitrag #16


Salzstreuerin
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Bei den Hartz Sätzen ist einfach kein Spielraum, die sind nicht beschneidbar. Wenn ein größerer Abstand zwischen Arbeitslosen und Erwerbstätigen her soll müssen die Löhne der Geringverdiener erhöht werden.

Zumal sich das selbst finanziert, durch die Kaufkrafterhöhung.
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:45
Beitrag #17


Naschkatze
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ZITAT(Anahita @ 16.Feb.2010 - 22:38) *
Zumal sich das selbst finanziert, durch die Kaufkrafterhöhung.


Wenn Du das eben mal vorrechnen würdest und dabei die Progression bei den Steuern berücksichtigst.

Steuern werden nicht in den unteren Einkommen gezahlt. Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher geht mehr als die Hälfte (55 Prozent) des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (22,2) des Steueraufkommens gehe auf die ein Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahle die untere Hälfte der Steuerpflichtigen nur fünf Prozent des Aufkommens.

So nun erkläre wie du es gegenrechnen willst.

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Anahita
Beitrag 16.Feb.2010 - 22:53
Beitrag #18


Salzstreuerin
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Es ist aber schon klar das diejenigen für die ein Mindestlohn in Frage käme das Mehr an Geld komplett ausgeben würde?
Das ist dann schlicht eine Erhöhung der Kaufkraft!
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ella1
Beitrag 16.Feb.2010 - 23:04
Beitrag #19


Naschkatze
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ZITAT(Anahita @ 16.Feb.2010 - 22:53) *
Es ist aber schon klar das diejenigen für die ein Mindestlohn in Frage käme das Mehr an Geld komplett ausgeben würde?
Das ist dann schlicht eine Erhöhung der Kaufkraft!



Jene die ihre paar Euronen ausgeben ohne in eine effiziente Steuerklasse zu kommen sind ggf. so was von statistisch unwichtig...aber versuche es gern mit Zahlen.

Bei 8 Euro Mindestlohn bei 40 Stunden, 22 Tage im Monat komme ich auf 1408 Euro. Abgezogen KV und Nebenkosten (ggf. Fahrtkostenpauschale und Werbungskosten) zahlen die noch nicht mal Einkommenssteuer. Und jene die wirklich zahlen an Steueraufkommen haben wohl noch nicht mal ne Mehrausgabe das geht eher aufs Konto.

Sie hätten nicht mehr als jetzt mit Hartz 4, weil sie Nebenkosten selbst zahlen müssten. Sie hatten keine vermehrte Kaufkraft. Womit wir wieder bei Westerwelle wären. Ggf. würden die Zahlen der Trasferempfänger fallen aber dagegen steht das Argument dass mehr einfach nicht eingestellt würden. ggf. eine Nullrechnung.

Rechne Du doch mal....überzeuge mich.

Der Beitrag wurde von ella1 bearbeitet: 16.Feb.2010 - 23:06
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Anahita
Beitrag 16.Feb.2010 - 23:07
Beitrag #20


Salzstreuerin
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Ich verstehe einfach nicht wieso es so vielen Deutschen so schwer fällt den Mitmenschen etwas zu gönnen.

Und das ist ein Phänomen das ich aus anderen Ländern in der Form nicht kenne.

Wie kann man sich wohlfühlen wenn man weiß das eine Straße weiter Armut herrscht.
Ich erteile ehrenamtlich Nachhilfe bei Kindern die, wie es so schön heißt, aus Unterschichtfamilien stammen. Ich sehe also die Armut mehrmals pro Woche.

Im Grunde, klar, könnte mir das alles völlig egal sein was hier läuft. Ich bin keine Deutsche, mein Hauptwohnsitz liegt nicht in Deutschland, also was soll es? Aber dennoch ärgert mich dieses „nicht gönnen können“, was eine weiterverbreitete Charaktereigenschaft in Deutschland zu sein scheint.
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