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> Wofür man lebt....
Marie18
Beitrag 23.Jul.2010 - 14:07
Beitrag #41


Satansbraten
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Oder meinst du den Abschied von der Dramatik, die in manchen, oftmals jüngeren Menschen aus Unzufriedenheit den Hunger nach Revolution und Weltverbesserung erwachsen läßt?

(IMG:style_emoticons/default/gruebel.gif) Ich glaub, ich werd's einfach nicht verstehen, und damit gut (IMG:style_emoticons/default/wink.gif) [/color]
[/quote]
Ja, vielleicht meine ich sogar das. Ich kann nur für mich selbst sprechen und ich hab schon so viel wirklich blöde negative Sachen erlebt, dass ich jetzt um so glücklicher bin, dass ich mich nicht mehr von so nem Mst runterziehen lasse. Schlimme Probleme kann man natürlich nicht weglächeln oder ignorieren, aber wenn man stark ist und weiß, was man kann, dann kann dafür von vornherein sagen - noch bevor das Problem gelöst ist - "ich werde da heil wieder rauskommen". Und das sagen zu können, sich sicher zu sein und sich selber beschützen zu können, das ist das Beste, was ein MEnsch auf Erden erreichen kann, oder nicht? Glück ist eh ein blödes Wort (IMG:style_emoticons/default/smile.gif)
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Sinai78
Beitrag 23.Jul.2010 - 14:12
Beitrag #42


Gut durch
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ZITAT
@Marie18 Glück ist eh ein blödes Wort

Sehe ich übrigens auch so. Der Begriff ist so "gesellschaftsgemacht" find ich. Erfüllendes Leben, bereicherndes Leben, aufbauendes Leben trifft es da für mich eher als so eine "Floskel" wie Glück.

LG Sinai78
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Marie18
Beitrag 23.Jul.2010 - 14:20
Beitrag #43


Satansbraten
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ZITAT(Sinai78 @ 23.Jul.2010 - 15:12) *
ZITAT
@Marie18 Glück ist eh ein blödes Wort

Sehe ich übrigens auch so. Der Begriff ist so "gesellschaftsgemacht" find ich. Erfüllendes Leben, bereicherndes Leben, aufbauendes Leben trifft es da für mich eher als so eine "Floskel" wie Glück.

LG Sinai78



ganz genau (IMG:style_emoticons/default/smile.gif)

Der Beitrag wurde von Marie18 bearbeitet: 23.Jul.2010 - 14:20
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shark
Beitrag 23.Jul.2010 - 15:08
Beitrag #44


Strösenschusselhai
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Ich finde nicht, dass "Glück" ein "blödes Wort" ist - es ist wohl nur so, dass viele leute es so interpretieren, als handele es sich dabei um einen seligen Zustand dauerhaften Taumels.
Das ist für mich "Glück" nicht.
Klar: manchmal kann einer das Herz schier springen vor Glückseligkeit, aber für mich bedeutet "Glück" vielmehr: in einem persönlichen Zustand zu sein, der zulässt, dass die vielen schönen Dinge des Lebens mich überhaupt treffen können, dass ich sie wahrnehmen, genießen und ausschöpfen kann. Ein Zustand, in dem ich auf mich und das Leben vertrauen kann und gelassen den Dingen entgegensehen kann.
Insofern kenne ich durchaus "glückliche" Menschen.
Und möchte sehr gern auch einer werden. Dahin bin ich auf dem Weg.

shark
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dandelion
Beitrag 23.Jul.2010 - 17:22
Beitrag #45


don't care
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ZITAT(Sinai78 @ 23.Jul.2010 - 15:12) *
Sehe ich übrigens auch so. Der Begriff ist so "gesellschaftsgemacht" find ich. Erfüllendes Leben, bereicherndes Leben, aufbauendes Leben trifft es da für mich eher als so eine "Floskel" wie Glück.


wow, das erste Mal, daß ich schriftlich gespucktes Glück sehe...


ach ja, psssst: wenn du den Namen der zitierten Person bei Zitaten noch mit in die eckigen Klammern reinpackst, sieht es nicht in jedem einzelnen Posting so aus, als ob du jemanden zitierst, der die von dir tatsächlich zitierte Person anspricht (IMG:style_emoticons/default/wink.gif) Ich weiß nicht, ob's nur mir so geht, aber das @ ist in meinem Kopf nach zehn Jahren Onlinedialogen festverdrahtet mit "ich spreche jetzt diese Userin an" und nicht mit "das hat diese Userin gesagt" - es verwirrt mich seit Wochen jeden Tag aufs neue. (IMG:style_emoticons/default/bluemele.gif) sorry.
Funktioniert so: entweder in der ersten Klammer quote name='zitierte Userin' oder quote='zitierte Userin' in die erste eckige Klammer. Klappt sauber und verläßlich (IMG:style_emoticons/default/wink.gif)


@shark:
Nee, den "Taumel" fand ich darin weniger - die Beschreibung hat für mich nur so einen heftigen Beigeschmack von Unverwundbarkeit, und die möchte zumindest ich gar nicht haben. Ich will gegen meine persönlichen Drachen und Dämonen in den Kampf ziehen und verschrammt, aber froh nach Hause kommen (über den Sieg, übers Überleben, über was weiß ich, Hauptsache froh). Meinetwegen auch mit Knochenbrüchen und ner Delle im Ohr.
Das ist mir auch sowas, um dafür zu leben. (Danke fürs schubsen, ihr zwei (IMG:style_emoticons/default/smile.gif) jetzt hab ich's!)
Und etwas, um das Vertrauen in die Welt und mich zu füttern (IMG:style_emoticons/default/wink.gif) Was sicherlich im Schnitt glücklicher und gelassener macht. (IMG:style_emoticons/default/thumbsup.gif) Aber ich glaube, ich lebe nicht für dieses Vertrauen. Allerdings brauche ich es, um für irgendwas leben zu können. Hätte ich kein Vertrauen in die Welt, wäre mir nichts wert, dafür zu leben. Hätte ich kein Vertrauen in mich, wäre es zu riskant, mich auf etwas wertvolles loszulassen - ich würde dieses Kleinod (in meiner eigenen Vorstellung) schließlich mehr gefährden als schützen.

"Taumel" hat für mich im Gegensatz dazu etwas diffuses, unkoordiniertes. Dabei kann Workflow auch pures Glück sein - auch etwas, wofür es sich zu leben lohnt - und der ist hochgradig fokussiert. Überhaupt, ganz in einer Sache aufzugehen - das taumelt überhaupt nicht und macht wahnsinnig glücklich. (IMG:style_emoticons/default/smile.gif)
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LadyGodiva
Beitrag 23.Jul.2010 - 19:47
Beitrag #46


Strøse
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Ich bezeichne mich durchaus als einen vom Glück bedachten Menschen - und habe es aufgeben zu begrübeln, ob das nun an meinem unverbesserlichen Stehaufoptimismus liegt, der auch am Rand eines Weges aus spitzen Steinen das Gänseblümchen ausmachen kann, oder ob ich einfach wirklich durch glückliche Umstände offenbar unweigerlich immer auf das mir Wohltuendste stoße.
Ich fühle mich einfach glücklich.
Mit Punkt und einem etwas schrägen Einfach.
Vielleicht liegt es auch daran, dass es nichts gibt, wofür ich explizit lebe - es dafür aber wohl umso mehr gibt, das mein Leben zum behaglichen Zuhause meiner selbst macht. Partnerschaft, Beruf, Wohnort sind von daher eher das Buntglas im Kaleidoskop. Und so sehr ich daran drehe, die Anmut und der Reiz liegen gerade an der wehmütig-schönen Einzigartigkeit des Moments.

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Sinai78
Beitrag 23.Jul.2010 - 23:12
Beitrag #47


Gut durch
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Ja, wer die Momente nicht erleben + genießen kann, wie kann er dann "das große Ganze " (wert) schätzen..das immer in und um uns ist und wir nur blind sind?

ZITAT
dandelion Gestern: 18:22

ZITAT(Sinai78 @ 23.Jul.2010 - 15:12)
Sehe ich übrigens auch so. Der Begriff ist so "gesellschaftsgemacht" find ich. Erfüllendes Leben, bereicherndes Leben, aufbauendes Leben trifft es da für mich eher als so eine "Floskel" wie Glück.

wow, das erste Mal, daß ich schriftlich gespucktes Glück sehe...


So richtig? (IMG:style_emoticons/default/roetel.gif) Erklärst Du mir bitte noch das "schriftlich Gespuckte"? (IMG:style_emoticons/default/icon4.gif)
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malene
Beitrag 24.Jul.2010 - 09:43
Beitrag #48


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ZITAT(dandelion @ 23.Jul.2010 - 18:22) *
Nee, den "Taumel" fand ich darin weniger - die Beschreibung hat für mich nur so einen heftigen Beigeschmack von Unverwundbarkeit,


Es geht nicht – zumindest für mich – um Unverwundbarkeit, wenn man vom inneren « Glück » spricht. Vielleicht gibt es das, doch ich halte diesen Zustand für die meisten von uns für unerreichbar. Aber es gibt diesen Zustand
ZITAT(LadyGodiva @ 23.Jul.2010 - 20:47) *
Ich fühle mich einfach glücklich.

eine Art Grundstimmung, die alles in einem goldenen Licht erscheinen lässt.

Aufgrund dieser inneren Fröhlichkeit, die mich die meist Zeit begleitet, bin ich zum Beispiel oft als unheilbare Optimistin bezeichnet worden. Mittlerweile kann ich mit dieser Etikette gut leben. Das heißt bei weitem nicht, dass ich keine Tiefs erlebt hätte. Aber ich gebäre mich selbst immer wieder von Neuem, ;-) erstehe wie Phoenix aus der Asche und mit den Jahren gleite ich immer leichter über manches Hindernis und manche Bosheit hinweg und geniesse die Gegenwart, Sekunde für Sekunde. Ja, die meiste Zeit bin ich glücklich.

Der Beitrag wurde von malene bearbeitet: 24.Jul.2010 - 10:01
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DerTagAmMeer
Beitrag 24.Jul.2010 - 13:10
Beitrag #49


Adiaphora
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Die Frage hat es in sich. Ich hab da keine Antwort und kann Shark lediglich beipflichten, dass auch ich geboren wurde und bislang noch nicht gestorben bin.
Vor einigen Jahren hat mich in diesem Zusammenhang eine Streitschrift von Pascal Bruckner Ich leide also bin ich schwer beeindruckt:
ZITAT
Jeder ist heute mit sich allein, steht vor der Aufgabe, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und seiner Existenz einen Sinn zu verleihen. Das moderne Individuum trägt die Last einer grenzenlosen Verantwortung auf den Schultern, denn mit der Auflösung archaischer Machtverhältnisse [...] verlor es seine Sicherheit. Sich von dieser Last zu befreien, gibt es zwei Fluchtwege, die zugleich die krankhaften Symptome der heutigen Gesellschaft sind: den Infantilismus und die Tendenz, sich ständig als Opfer zu begreifen
Ein paar Jahre später traf er mit Verdammt zum Glück. Der Fluch der Moderne erneut den Nerv meiner Sinnfrage. Wieder fühlte ich mich zutiefst verstanden. Aber wirklich einfacher, sinniger oder weniger widersprüchlich wurde mein Leben dadurch auch nicht.

Meist versuche ich anzunehmen, was mit zufällt, und möglichst lösungsorientiert damit umzugehen. Das kann durchaus vor der Glotze stattfinden und Weltflucht bedeuten, es kann von Pflichtgefühl oder Lebensfreude angetrieben sein, mir oder anderen nutzen, Glückseligkeit oder schlicht das geringste Übel bedeuten. Ich bin diesbezüglich eher handwerklich begabt als Lebenskünstlerin.

Der Beitrag wurde von DerTagAmMeer bearbeitet: 24.Jul.2010 - 13:11
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malene
Beitrag 26.Jul.2010 - 15:55
Beitrag #50


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Und wenn die Antwort auf die obige Frage wäre: „Sich Zeit zu nehmen?“

Gestern abend ist mir das Foto eines nahen Freundes in die Hände gefallen.

Er war in vieler Hinsicht das Gegenteil von mir: während ich alles hartnäckig rosa und golden färbte, tauchte er in seinem tiefsten Innern alles in ein trauriges Grau. Es war ihm auf den ersten Blick nicht anzusehen, denn er eilte von Party zum Vergnügen, von der Arbeit zum Klavierspielen, von der nächsten Reise zur übernächsten. Eilte dahin, um seiner Angst vor dem Tod, dem Altwerden und Verlusten verschiedenster Art zu entkommen. Er schaute nie fern, er nahm nie ein Buch in die Hand.

Er umgab sich liebend gern mit Menschen wie seinem Lebenspartner, meiner Frau und mir, die gern redeten und lachten. Er hatte nie viel zu sagen, er schien sich bei unseren Gesprächen lächelnd zu sonnen, wie ein alter Mann auf der Bank vor seiner Hütte.

Vor zwei Monaten ist er im Alter von 42 Jahren plötzlich gestorben. Nun wünschte ich mir, dass wir uns Zeit genommen hätten, über seine Ängste richtig zu reden, versucht hätten, ihm diese zu nehmen, oder zumindest sein Lebenskonzept zu hinterfragen.
Er war gerade zu dem Zeitpunkt gestorben, als sein Mann ihn verlassen hatte und er dabei war, gezwungenerweise, seine liebevoll eingerichtete Penthousewohnung zu leeren. Er war weder krank noch hatte er einen Unfall gehabt. Er ist einfach gestorben, als sei der dünne Faden, der ihm das Leben ermöglicht hatte, plötzlich gerissen. Als sei der plötzlich erzwungene Stillstand, dieses unerwartete Bremsen seines stetigen Voranschreitens, für ihn unerträglich gewesen.

Da ich nicht weiß, ob mein Beitrag noch zum Thema gehört oder meine Trauerarbeit mich auf seltsame Seitenwege verschlägt, setzte ich mal alles in Grau.


Der Beitrag wurde von malene bearbeitet: 26.Jul.2010 - 15:59
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dandelion
Beitrag 26.Jul.2010 - 19:47
Beitrag #51


don't care
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(IMG:style_emoticons/default/troest.gif) ich weiß nicht, ob es deinem Freund gerecht wird. aber es scheint tatsächlich nach deiner Beschreibung eine Frage gewesen zu sein, die ihn umtrieb. vielleicht würde er sich freuen, zu sehen, daß sein Wohl dir so am Herzen lag - und daß du, statt seinen Tod zu manifestieren, ihn weiter mitten ins quirlige, quietschende Leben trägst. Schließlich hat er auch so gelebt. (IMG:style_emoticons/default/smile.gif)

Sich Zeit zu nehmen. Ja. (IMG:style_emoticons/default/smile.gif) Wir kriegen jeden Tag 24 Stunden. Wenigstens ein bißchen von dem, was wir gern hätten oder täten, sollte da doch rein passen, oder? Wenn nicht, wüßte ich jedenfalls auf Dauer auch nicht, wofür leben.
Vor allem würde ich es schade finden, zu wissen, daß ich mein Leben selbst in Bahnen gelenkt habe, in denen es für mich weder Freiraum gibt noch schöne "Dinge", für die sich diese Bahnen "auszahlen" (ist jetzt wesentlich mehr marktwirtschaftlich geschrieben als gemeint).
Und ich würde mich auf Dauer fragen, warum ich nicht "einfach" nochmal das Steuer in die Hand nehmen und rumreißen soll...

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sonnenstrahl
Beitrag 27.Jul.2010 - 18:55
Beitrag #52


verboden vrucht
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ZITAT(malene @ 26.Jul.2010 - 16:55) *
Und wenn die Antwort auf die obige Frage wäre: „Sich Zeit zu nehmen?“

....


Oh ja - eine ganz wichtige Antwort, das finde ich auch.
Mir Zeit nehmen - mir die Zeit wirklich anzueignen, die mir zur Vefügung steht, wird mir von Jahr zu Jahr wichtiger. In erster Linie gar nicht mal, um sie für etwas Bestimmtes, grundsätzlich Geplantes, oder für bestimmte Begegnungen zur Verfügung zu haben, sondern für mich. Um mich zu spüren. Und in zweiter Linie, um mich dem hinzugeben, was mir gerade oder langfristig wichtig ist - oder um das Bestmögliche aus dem zu machen, was einfach getan werden muss.

Eine wertvolle Errungenschaft diesbezüglich ist ein Marktroller, mit dem ich jetzt so gemächlich von hier nach dort zockel (gar nicht anders kann, was wirklich super ist), anstatt wie zuvor mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken im Stechschritt durch mein Leben zu hetzen ...

Bei all dem ist eine wesentliche Erkenntnis für mich: Alles hat seine Zeit.

Und: Bei allem Hinspüren und Denken und Wissen gibt es so vieles, das wir nicht wissen.

malene, Du schreibst, dein verstorbener Freund habe alles in seinem tiefsten Inneren in ein trauriges Grau getaucht. Weißt du das wirklich?
Und er sei geeilt von hier nach da, um seiner Angst vor dem Tod, vor dem Älterwerden, vor Verlusten zu entkommen. Es komme dir vor, als sei "dieses unerwartete Bremsen seines stetigen Voranschreitens, für ihn unerträglich gewesen". Weißt du das?

Wir interpretieren so vieles in Ereignisse und Situationen hinein, die im wahrsten Sinne unfassbar für uns sind. Wir reimen uns so vieles zusammen. Und machen uns vielleicht sogar obendrein selbst Vorhaltungen: "Hätten wir, wären wir doch ....!"

Könnte es nicht auch sein, dass dein Freund im tiefsten Inneren ein Gespür dafür hatte, dass seine Zeit in diesem Leben keine sehr lange sein würde?
Könnte es nicht auch sein, dass seine Reise so oder so vor zwei Monaten zuende gewesen wäre - auch wenn er sich irgendwann für ein anderes Lebenskonzept entschieden gehabt hätte? Könnte es nicht auch sein, dass kurz vor seinem Tod sein bisheriges Leben auseinandergebröckelt bzw. -gebrochen ist, weil der Kitt, der Lebenskitt, der es zusammenhalten konnte, bereits den Großteil seiner Bindekraft verloren hatte? Könnte es nicht sein, dass dein Freund seinen Partner im tiefsten Inneren freigegeben, und dass er seine Wohnung, seinen Lebensplatz noch leergeräumt, die Reste seines Lebens in Ordnung gebracht hat, bevor er ging?
Könnte es nicht auch sein, dass er deshalb auf dich manchmal wie ein alter Mann wirkte, der sich auf der Bank vor seiner Hütte lächelnd in euren Gesprächen sonnte? Vielleicht war er bereits ein alter Mann? Und das war vielleicht ganz o.k. so ...?
...

Muss es so sein, dass er gestorben ist, weil er ein tieftrauriges Opfer der Umstände war? Könnte es nicht auch ganz anders gewesen sein? Viel runder und stimmiger eventuell? Und ohne "Schuldige"?

Dir, der dieser Mensch sicherlich fehlt und fehlen wird, wünsche ich Kraft.
Und dass er in dir weiterlächelt. Und dass er dir so lächelnd möglicherweise zu zeigen vermag, dass die Geschichten, die du dir zu ihm ausdenkst, um das Unbegreifliche zu begreifen, viel schlimmer sind als die Wirklichkeit. Könnte ja sein ...

Ganz herzliche Grüße von sonnenstrahl, deren bester Freund vor 9 Jahren auch mit 42 gestorben ist.









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die-kleene
Beitrag 27.Jul.2010 - 21:05
Beitrag #53


Naschkatze
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Eine sehr spannende Frage.
Aös erstes fiel ir auch erstmal ein: ich lebe eben nun einmal. Das hab ich mir nicht bewusst rausgesucht (jedenfalls nicht so viel ich weiß) und das meine ich jetzt nicht negativ. Als Kind war die Frage wofür ich lebe nicht wichtig, da war ich einfach da. Was mich gefreut hat, außer ich bin gerade hingefallen und hab mir sehr weh getan. (IMG:style_emoticons/default/rolleyes.gif) Als ich bisschen älter war und gerade vieles nicht gut lief kam die Frage plötzlich auf mich zu und hat mich seitdem immer mal wieder ereilt. Aber manchmal vergess ich sie auch wieder und darüber bin ich oft auchl froh, weil ich in solchen Zeiten dann meist einfach lebe. Wofür ich lebe, hat sich also immer mal wieder geändert und die Frage war manchmal sehr wichtig und manchmal weniger (und alles hat zu seiner Zeit seine Berechtigung).

Es gab eine Zeit, da hab ich für andere gelebt, ganz bewusst. Für mich selbst hätt ich nicht gewusst, wie ich das hätte machen sollen und warum. Aber das für andere leben hat auch mir geholfen zu leben(also war es auch irgendwie für mich). Dann ist es wieder auch mehr bewusster für mich selbst geworden, dafür die Sonne zu spüren, gute Sachen zu schmecken, baden gehen zu können, zu lachen, die Natur zu genießen... Und manchmal leb ich auch für den Umweltschutz, dafür Kindern die Welt und vor allem den Spaß zu zeigen.
Und manchmal stress ich auch einfach nur, dann will ich für ganz viel leben und hab das Gefühl nichts zu schaffen.
Und das wechselt sich alles ziemlich ab, manchmal bewusst, manchmal unbewusst.

Und zum Thema Glück. Ich glaube, ich wirke auf viele weniger glücklich als ich mich meist fühle. Ich denke viel und grüble auch öfters, ich hab mit vielem zu kämpfen und mach mir einiges schwerer als es ist. Und dennoch fühl ich mich nicht unglücklich. Für mich bedeutet Glück nicht, zu wissen wie ich ein Problem überstehe oder meine Kraft immer zu spüren. Aber glücklichsein ist nach meiner Ansicht auch nichts, was immer bewusst da ist. Wenn ich jetzt für mein bisheriges Leben sage: Ich bin und war glücklich, dann stimmt das so. Weil ich immer wieder Zeiten hatte, in denen ich das gefühlt habe, in denen ich ganz bei mir war, ganz ich und das auch gemerkt habe. Und zwischendurch war das Gefühl gar nicht da, dann war aber oft auch keine Zeit darüber nachzudenken, weil genug damit zu tun war zu (über)leben. Zum Glücklichsein gehört für mich auch, mich so zu nehmen wie ich bin und ich bin oft kein Optimist, aber ich bin und das ist oft nicht leicht, aber es lohnt sich weiter zu sein.
Die Definition des Glükes oder glücklichseins ist glaub ich ziemlich individuell und das sollte sie auch sein.

Und sich Zeit nehmen, ist meiner Meinung nach eine sehr wichtige Sache. Mein Lieblingsspruch von klein auf ist: In der Ruhe liegt die Kraft. (und das nicht nur weil ich immer so langsam war (IMG:style_emoticons/default/wink.gif) )

Danke für das nochmal zum Nachdenken anregende Thema. Ich find es manchmal gut sowas zu formulieren und sich auszutauschen.
Liebe Grüße
die-kleene
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dandelion
Beitrag 27.Jul.2010 - 21:30
Beitrag #54


don't care
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mein Glück ist für mich, ganz im stochastischen Sinne, ein zu meinen Gunsten eintretendes Zufallsereignis.

Klingt erstmal dröge.

Aber es steckt mehr dahinter:
ich muß es als "günstig" einordnen, heißt, was Glück ist, bestimme ich selber.
es mußte nicht so kommen, ist also ein Geschenk des Universums an mich.
und: es hat eine Wahrscheinlichkeit, es wird also nicht immer klappen, aber immer wieder.

Die Gedanken mag ich. (IMG:style_emoticons/default/smile.gif)
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malene
Beitrag 27.Jul.2010 - 22:36
Beitrag #55


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@ dandelion und sonnenstrahl
Danke für eure netten Worte zum OT-Teil meines Beitrags. Ich hatte zunächst gezögert, ihn abzuschicken, aber ein unerwarteter Tod stellt uns manchmal die obige Frage auf eine besonders "brutale" Art, also schien er es mir fast "zwingend", mein "Grübeln" (und keine besonders gut strukturiereten Gedanken) hierzu mitzuteilen.


ZITAT(sonnenstrahl @ 27.Jul.2010 - 19:55) *
Muss es so sein, dass er gestorben ist, weil er ein tieftrauriges Opfer der Umstände war? Könnte es nicht auch ganz anders gewesen sein? Viel runder und stimmiger eventuell? Und ohne "Schuldige"?


Natürlich weiß ich nichts, meine Interpretation der Ereignisse ändert sich jede Woche, manchmal lautet sie so schön stimmig wie von Dir weiter oben beschrieben, ein anderes Mal ist sie "schuldbeladener".
Glücklicherweise bin ich dabei, loszulassen. Wie ihr schon beide es ähnlich geschrieben habt, die Erinnerungen an unsere Nächsten begleiten uns weiter im Leben, auch wenn sie lange nicht mehr da sind, und irgendwann lässt die Trauer und das Schuldgefühl nach und man erinnert sich vor allem der schönen Augenblicke. ;-)
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neelia
Beitrag 28.Jul.2010 - 13:05
Beitrag #56


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So, zuerst habe ich einen zweiseitigen Text zu dem Thema geschrieben, doch das erschien mir sinnlos, weil ich es auch in einem Satz sagen kann. Ich habe echt mehrere Tage drüber nachgedacht aber die Erkenntnis blieb immer gleich.

Ich weiß nicht wofür ich lebe.
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schneeland
Beitrag 29.Jul.2010 - 18:24
Beitrag #57


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Da ich gerade einen klaren Moment habe kann ich, quasi als memo an mich selbst, sagen: Ich lebe für die Liebe. Und damit meine ich Liebe in meiner eigenen Definition im Sinne zwischenmenschlichen Verbundenheitsgefühls oder überhaupt Verbundenheitsgefühl mit was auch immer.

Als Erinnerung für Tage, an denen ich, ebenso wie neelia es formuliert, nicht weiß wofür ich lebe.
Und ich merke, dass diese sch...anstregende Woche, mit etlichen latent sui**dalen und aggressiven Pat. und vielen Kriseninterventionen an einem Ort, wo der Rahmen dafür kaum gegeben ist, zumindest mein eigenes Gefühl für "ich lebe gern" gestärkt hat.
Daher wohl auch das Bedürfnis, das an irgendeiner Stelle, heute eben mal hier mit dem Statement "wofür ich lebe", loszulassen. Trotz aller Kraftlosgkeit die ich gleichzeitig spüre. *Urlaubsfotos here I come*.....*sich jetzt mal ablenken geht*...*wurstelwurstel*
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Sinai78
Beitrag 29.Jul.2010 - 22:22
Beitrag #58


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ZITAT(schneeland @ 29.Jul.2010 - 19:24) *
Ich lebe für die Liebe. Und damit meine ich Liebe in meiner eigenen Definition im Sinne zwischenmenschlichen Verbundenheitsgefühls oder überhaupt Verbundenheitsgefühl mit was auch immer.

Gefällt mir (IMG:style_emoticons/default/wub.gif)
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Sin
Beitrag 04.Aug.2010 - 20:30
Beitrag #59


Manche Sünde ist es wert, begangen zu werden.
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ZITAT(neelia @ 28.Jul.2010 - 14:05) *
So, zuerst habe ich einen zweiseitigen Text zu dem Thema geschrieben, doch das erschien mir sinnlos, weil ich es auch in einem Satz sagen kann. Ich habe echt mehrere Tage drüber nachgedacht aber die Erkenntnis blieb immer gleich.

Ich weiß nicht wofür ich lebe.


Und war das für sich ein Prozeß im Moment des Schreibens und deine Erkenntnis die Frucht deiner Gedanken? (IMG:style_emoticons/default/rolleyes.gif)
so wie: Alle Klarheiten beim Schreiben beseitigt? (IMG:style_emoticons/default/rolleyes.gif)
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Sin
Beitrag 04.Aug.2010 - 20:52
Beitrag #60


Manche Sünde ist es wert, begangen zu werden.
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Ich habe für mich ein Lebenslineal im Kopf.

Es ist unterteilt in Einheiten zu je 7 Lebensjahren. Zu jeder Einheit kann ich für mich sagen, was ich erreicht habe.
Ich finde, 7 Jahre sind für die Entwicklung einer Persönlichkeit ein gutes Maß.

Die ersten 7 Jahre sind Kleinkindalter, die nächsten Kindheit und Jugend, die darauf wären Jugend/Übergang eigenständiges Leben, gefolgt vom wirklichen Erwachsenwerden bis hin zur Reife und irgendwann dem Tod.

Ich weiß, wohin ich möchte. So in 7 Jahren. Ich weiß, was ich erreichen möchte. Vielleicht habe ich auch nur einfach eine riesen Krise, weil dieses Jahr das böse Jahr mit der bösen böse „3“ davor kommt und ich mir überlege, was ich erreicht habe, was ich mal wollte, wohin ich will.

Und stelle ich mir die Frage, wofür ich lebe. Wie soll ich das erklären…

Vor mir liegt eine Wiese. Auf dieser Wiese blühen hunderte von Sorten Blumen. Beim Versuch, mir einen Strauß zu binden, bin ich immer so vorgegangen, dass ich alle Blumen wahllos ergriff und in einer Rekordzeit den Duft jeder Blüte, jedes Blatt, jedes kleine Teil einer jeden Pflanze auseinandernahm, sie erforschte und versuchte zu begreifen. Vieles ist nachhaltig in meinem Gedächtnis geblieben. Vieles verflogen und vergessen.

Nun werde ich älter. Ich habe nicht mehr den Elan so aufopfernd und kräftezerrend weiterzumachen. Für mich tun sich immer mehr Wiesen, immer mehr Blumen auf, so dass ich an einem Punkt in meinem Leben bin, wo ich überlegen muss, ob ich weiter alles mitreiße oder bei wenigen Blumen verharre… Organisiere ich mich so, dass ich mir Leute anstelle, die mir einzeln von den vielen Blumen berichten? Bekomme ich dadurch jeden Duft, jedes Blütenblatt noch mit? Sehe und erlebe ich dadurch nicht alles nur noch oberflächlicher?

Darum die Frage, wofür man lebt…

Kennt ihr diese Art MidLife-Crises???
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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 04.12.2020 - 12:01