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> Loslassen, Suche nach Lösungen für "verzweifelte" Momente,
Mab
Beitrag 06.Jul.2020 - 11:19
Beitrag #1


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Ich bin auf der Suche nach ein paar Tipps bei diesem besonderen Thema.

Wenn die Trauer um meinen kleinen Kater (gestorben November 2019, er wurde 18 ¾ Jahre alt; ich bekam ihn mit 5 Wochen) wieder voll reinhaut und mich körperlich durchschüttelt, dann denke ich manchmal, neue Katze…
Jedoch ist das keine Lösung. Denn der Kater ist unersetzbar. Das dachte ich auch immer, wenn es bei Versicherungsanbietern hieß, der Ersatz der Katze sei in der Police drin. Das ist nicht das Gleiche.
Denn eine neue Katze ist nicht mein Kater: er hat kaum gek*tzt. Die Wände und Möbel hat er mit Kratzattacken verschont. Er war eine so pflegeleichte Katze. Er fehlt mir sehr. Einfach mal zu ihm hingehen, durch sein Fell streicheln. Ihn hoch heben oder mit ihm sprechen. Selbst Wasser- und Futtergeben würde ich gerne. Gar das Katzenklo sauber machen.
Außerdem hat mich die Sorge um meine Kater (es waren mal zwei Kater) so beengt, dass ich umso älter sie wurden, ich immer mehr mit einem unguten Gefühl die Wohnung verließ. Eine neue Katze wäre also keine Lösung.

Dann lernte ich “Bei Trauer weint die Blase bei Frauen mit”. Ich hatte eine Blasenentzündung. Ein Thema, das ich noch nie hatte. Und außerdem sollte ich mich wieder in ruhigen emotionalen Gewässern bewegen. Denn ich bin mit meinem Symptom Multiple Sklerose (Diagnose 2017) ja auch noch beschäftigt. Hier wollte ich so gerne, meine Erfolgsgeschichte mit der Therapie eines brasilianischen Professors beschreiben, die ich fand und deshalb an das Symptom MS kaum noch denke. Nun macht mir diese Trauer aber schon etwas Stress. Und Stress ist für meinen Körper nicht so gut.

Ich bin froh, dass meine Frau und ich uns die Zeit nehmen und reden. Denn wir hatten schon vor vier Jahren den Verlust eines weiteren Katers (gestorben März 2016, er wurde 17 ¾ und kam zu mir mit ca. 3 Monaten) durchzuleben. Nur konnte ich mich da besser verabschieden, weil wir ihn schon über vier Jahre pflegten (er musste Diätfutter fressen, war dement und unrein geworden). Er war auch das komplette Gegenteil: alles Kratzbare wurde mit seinen Nägeln malträtiert und im K*tzen war er Weltmeister.
Bei dem anderen Kater kam der Abschied so “plötzlich, weil ich in ihm nie einen alten Kater sondern nur das kleine süße Miezekätzchen sah.

Meine Frau ist halt auch mal arbeiten. Ich sitze im Home-Office Zuhause, in der Umgebung, die soviele Erinnerungen vorhält.

Deshalb meine Frage an euch, was tut ihr euch Gutes, wenn es euch schlecht geht oder einen großen Verlust zu bewältigen habt?

Bitte keine Beileidsbekundungen. Danke. (IMG:style_emoticons/default/flowers.gif)

Edit: Reihenfolge der Worte.

Der Beitrag wurde von Mab bearbeitet: 06.Jul.2020 - 11:26
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McLeod
Beitrag 06.Jul.2020 - 17:08
Beitrag #2


mensch.
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Hi Mab,

ich habe einige Verluste in den letzten Jahren zu verkraften gehabt. Für mich ist es eine ungewohnte Erfahrung, dass mein Trauern zum Teil über Jahre geht. Ich nehme mir dann Zeit, ziehe mich ggf. aus sozialen Situationen zurück, wenn es dort nicht gut aufgehoben wäre oder ich keine Menschen um mich haben kann in dem Moment. "Healing comes in waves" hat mir ein sehr angenehmer Mensch in so einer Sitaution mal gesagt. Das hab ich mitgenommen. Die ersten Monate lief ich manchmal ziemlich neben der Spur durch mein Leben. Arbeitete viel, um nicht zu viel Stille und Raum für die Gefühle zu haben. Das hab ich mitgeschnitten. Und es war okay für mich. Als der Stress mich dann ausgeknockt hat, hab ich die Überstunden in meiner Trauer-Apathie oder dann eben den Schmerz zu leben wieder runtergezählt. Habe mit den Menschen im Job und meinem Umfald da offen drüber geredet. Es war letztlich egal, ob sie das wirklich verstanden oder akzeptabel fanden. Es war alternativlos. Ich habe mir nicht die Mßastäbe anderer aufdrücken lassen.

Vielleicht ist was für Dich dabei, Du musst nicht antworten, wenn Du nicht magst.

Herzliche Grüße
McLeod
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Mab
Beitrag 06.Jul.2020 - 17:59
Beitrag #3


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Danke @McLeod, da ist einiges für mich dabei. Vor allem das "Healing comes in waves".
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june
Beitrag 06.Jul.2020 - 20:08
Beitrag #4


Gut durch
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Mir hilft es tatsächlich, darüber zu sprechen. Oder zu schreiben, wie du jetzt hier im Forum.
Und ich verbinde mich mit den Seelen, an deren Weiterleben ich glaube.
Meine Frau hatte selbst so einen Kater, den ich gottlob noch kennenlernen durfte. Zudem war er sehr anhänglich und menschenbezogen - ein Prachtkerl! Wir reden heute, fast zehn Jahre nach seinem Tod, noch oft über ihn.

Danke für den Satz, dass Trauer und Heilung gleichermaßen in Wellen kommen...
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Lucia Brown
Beitrag 06.Jul.2020 - 22:42
Beitrag #5


- keep it up you go girl -
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Auch ich habe in den letzten Jahren einige Verluste erlebt und überlebt und jedes Mal ist es neu. Mir hilft das schreiben und dadurch der Trauer eine Heimat/Raum geben. Habe lange daran gelernt, mir die Erlaubnis zu geben, mich immer wenn meine Seele trauert, zurück zu ziehen. Ich brauch dann viel Ruhe und Stille. Auch mal den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen und nur das tun, wonach mir gerade ist. Die Gefühle fließen lassen. Ich gehe in meine Kraft. Machen mir klar, was ich kontrollieren kann und was ich fließen lassen kann. Ein Gedicht von Rilke gefällt mir derzeit sehr:

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Viel auch die Natur begegnen und den Wandel.
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june
Beitrag 07.Jul.2020 - 08:28
Beitrag #6


Gut durch
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Oh ja, Lyrik kann wirklich wunderbar trösten. Hier eins meiner liebsten, tröstenden Rilke-Gedichte:

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Aus: Das Buch der Bilder
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Mab
Beitrag 07.Jul.2020 - 10:27
Beitrag #7


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@june, @Lucia Brown, @MeLeod,
danke für die lieben Worte.
Danke für die Gedichte.

Das mit der Natur ist so ein Ding. Ich habe seit geraumer Zeit angefangen, Bäume zu gießen. Wir stellen auch Wassergefäße für die Tiere raus und bemühen uns, dass diese regelmäßig gefüllt werden. Auch haben wir das Vogelfüttern - und vielleicht auch das Eichhörnchenfüttern, wenn diese von den Nüssen nehmen wollen, die wir anbieten - angefangen.
Es tut meiner Seele gut, wenn ich beim Meditieren das zahlreiche Vogelgezwitscher höre.

Loslassen.
Hier dazu geschrieben zu haben, ist ein Teil davon.
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Hortensie
Beitrag 08.Jul.2020 - 13:59
Beitrag #8


"Jeck op Sticker"
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Loslassen fällt mir nicht leicht, obwohl ich in meinem Leben schon vieles Loslassen musste oder mich auch von vielem verabschieden musste, was mich wichtig war.
Ich tue mich nicht leicht damit, auf neue Menschen und Situationen zu zu gehen, obwohl ich es oftmals tun musste.
Mittlerweile habe ich die tägliche Mediation für mich entdeckt, um mich mehr zu fokussieren.

Tatsächlich kann ich die Schwere der Verluste nicht benennen. Jeder Verlust hat mich unterschiedlich getroffen und unterschiedliche Spuren in meinem Fühlen hinterlassen.

Mich tröstet, dass ich vieles überstanden habe und auf in dunklen Stunden versuche ich auf das zurück zu blicken, wie es mir gelungen ist, mit Verlusten weiterzuleben. Der gezielte blick auf die eigene Stärke verschafft mir nicht nur Trost sondern macht es mir auch möglich, darauf zu vertrauen, dass der Schmerz in mir nicht überhand nimmt.

Manche Verluste drohen mich in meinem Selbstwertgefühl zu beschädigen. Wieder andere beschädigen "nur" meine Eitelkeit, aber letztendlich kann sich die Bewältigung der Verluste stärkend auf meinen "Mutmuskel" auswirken und bewirken, dass ich selbst nicht nur Verluste hinnehmen sondern auch aktiv daran mitwirke, dass ich mich trenne.
Die Trennung von Menschen, Dingen, Träumen, Hoffnungen und bestimmten Vorstellungen wirkt sich dann letztendlich stärkend auf mich aus, weil ich mich dann auch traue, neu zu beginnen. Mich für Vorstellungen begeistere, offener für neue Lebensperspektiven bin.

Das einzige, was ich noch lernen möchte, ist bei dem sich "trennen von..." davon auszugehen, dass Trennungen sein dürfen...Veränderungen notwendig sind, anstatt es als eine Art von persönlichen Versagen zu bewerten. Loslassen kann befreien...
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Mab
Beitrag 09.Jul.2020 - 09:21
Beitrag #9


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"Loslassen kann befreien..." Ja.

Aber im Fall meiner Trauer braucht das anscheinend noch etwas Zeit. Denn ich komme mir wie eine Verräterin vor, das ich jetzt auch die Freiheiten sehe, die ein Leben ohne Katze für mich bedeutet: weniger Sorge tragen. Von den alltäglichen Dingen, die auch noch wegfallen, mag ich gar nicht erst anfangen.

Aber grundsätzlich @Hortensie ist dein Text eine wunderbare Beschreibung, meines Weges. Ich meditiere täglich. Und beim Thema Loslassen habe ich das Glück eine Frau an meiner Seite zu wissen, die das recht gut kann. Sie macht regelmäßig ihren Durchgang an Sachen und Dingen, die sie nicht mehr will oder braucht. Da bin ich noch am Üben. (IMG:style_emoticons/default/rolleyes.gif)

Und zu deinen anderen Themen, z.B. Verluste, ist es ein schöner Gedanke, meine Stärke darin zu sehen, dass ich all meine "Verluste" überlebt habe. Danke für diesen Hinweis. (IMG:style_emoticons/default/flowers.gif)
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Mondstern
Beitrag 14.Jul.2020 - 07:47
Beitrag #10


Großer Hund
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Liebe Mab,

am meisten hilft bei Verlust wohl - Zeit. Healing comes in waves? Oh ja. Manchmal vergisst Du ganz, dass Du etwas verloren hast, und dann schlägt es wieder mit voller Wucht in Dein Bewusstsein. Und dann? Weinen. Stille. Schwere Arbeit. Sprechen hilft mir nur selten, weil es selten Menschen gibt, die meinen Verlust verstehen (wollen). Also gehe ich dem Sprechen lieber aus dem Weg. Manchmal helfen die Hügel und Wälder, und manchmal hilft ein Feuer in der Dunkelheit. Und immer wenn ich ein Tier, das hier mit mir gelebt hat, begrabe, singe ich ein ganz bestimmtes Lied. Auch das hilft.

Mondstern
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Kara
Beitrag 22.Sep.2020 - 08:54
Beitrag #11


Naschkatze
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Hi Mab,
ich glaube schon, dass die Anschaffung einer neuen Katze den Schmerz verkleinern helfen könnte. Zwar ist es natürlich eine andere Katze, die auf ihre Art eine große Freude sein kann, wodurch der Schmerz verringert und abgekürzt werden könnte.
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Vereinfachte Darstellung Aktuelles Datum: 30.09.2020 - 03:43