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> Wie sag' ich's meinen Eltern?, Und sag' ich's ihnen überhaupt?
Amay
Beitrag 13.Feb.2011 - 03:33
Beitrag #1


Vorkosterin
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Beiträge: 3
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Userinnen-Nr.: 7.750



Hallo!

Ich habe mich hier in angemeldet, weil ich ein akutes Problem habe und ich einfach ein paar Gedankenantöße haben möchte. Also das wäre zumindest ideal.
Obwohl es als Problem zu bezeichnen ist vielleicht etwas dramatisiert. Es geht darum, dass ich mittlerweile 26 bin und immer noch nicht bei meinen Eltern geoutet bin. Ich habe es immer weiter aufgeschoben:
Phase 1 - Ich lebte bei meinen Eltern in einem kleinen Ort. Dort gab es ein vorherrschendes Lebensmodell: Frau, Mann, Kinder, Hund, Haus. Stärkere Abweichungen von diesem Lebensmodell wurden negativ bewertet und je nach Schwere mit Verachtung gestraft. Mein Vater machte ab und zu sehr anwertende Sprüche über homosexuelle Männer, ich kannte homosexuellen Menschen nur aus dem Fernsehen vom CSD, Hella von Sinnen... So wie diese Lesben war ich nicht, so konnte ich nicht sein => ich bin auf keinen Fall lesbisch. Ich erlegte mir ein Verbot auf, an Frauen zu denken und beschloss einfach immer weiter auf den richtigen Mann zu warten.
Phase 2 - Ich zog in eine andere Stadt. Beschloss zu denken und zu tun, was ich will. Frei zu sein und meinen Weg glücklich zu werden zu finden, unabhängig zu sein von den Vorstellungen meiner Eltern. Dies führte dazu, dass ich einsah, dass es keinen Sinn macht auf den richtigen Mann zu warten, weil mir in dieser Phase klar wurde, das nur eine Frau mein Leben perfekt machen würde und mich glücklich. In dieser Zeit waren meine Eltern so weit weg, räumlich und gedanklich.
Phase 3 (akutell) - Ich bemerke, dass es mich belastet, dass ich mein Leben vor meinen Eltern verheimlichen muss. Ich bin seit über einem Jahr in einer sehr glücklich Beziehung mit einer Frau. Ich muss meinen Eltern so viel verschweigen und diese Distanz zwischen mir und meinen Eltern belastet mich ziemlich. Dieses Jahr fahren meine Freundin und ich in den Urlaub. Und ich möchte einfach nicht wieder lügen oder irgendwas erfinden mit wem ich in den Urlaub fahre. Ich möchte ihnen die Wahrheit sagen.

Wir haben auch geplant bald zusammen zu ziehen. Spätestens dann kann ich es meinen Eltern sowieso nur noch schwer verschweigen.

Warum fällt es mir so schwer meinen Eltern zu sagen, dass ich eine Frau liebe?
Es ist hauptsächlich mein Vater. Meine Mutter hat eine relativ tolerante Perspektive auf Homosexualität. Für mein Vater ist es "krank", "sowas macht man einfach nicht, genauso wie man nicht mit seinen Kindern in's Bett geht", dazu noch die ziemlich homophoben Sprüche bezüglich schwuler Männer, die er ab und zu bringt - ich denke, dass er einfach sozialisationsbedingt ziemliche Probleme haben wird, mein lesbisches Leben zu akzeptieren - selbst, wenn er es will. Zudem hatte er vor einigen Jahren einen Herzinfarkt. Deshalb kommt meine Angst dazu, dass ich bei ihm irgendwie einen unlösbaren inneren Konflikt auslöse, der ihn stresst und sich das negativ auf seine Gesundheit auswirkt.
Also, ich könnte mit der Ablehnung seitens meines Vaters umgehen und ich könnte letztendlich auch (im schlimmsten Fall) mit einem Kontaktabbruch leben. Aber was ist mit meinem Vater? Vielleicht würde es ihm schaden. Vielleicht würde er sich in irgendwas hineinsteigern, wäre nicht gesprächsbereit (mein Vater ist generell nicht sehr kommunkativ und ziemlich verbohrt). Ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll. Meine Freundin drängt mich zwar nicht mich zu outen, möchte aber schon irgendwann meine Familien kennen lernen. Das ist ihr wichtig. Schließlich bin ich auch komplett in ihre Familie integriert.

Also irgendwie kann ich keine richtig klare Entscheidung treffen. Mein Gefühl sagt mir, dass ich meinen Eltern die Wahrheit sagen möchte, weil ich mir erhoffe, die Distanz abzubauen.
Wenn ich darüber nachdenke, kommen aber die Befürchtungen, dass ich meinem Vater damit vielleicht schaden könnte, was ich natürlich auf keinen Fall möchte ...

Tja, ich würde mich freuen, wenn mir hier einfach jemand ihre Meinung dazu schreibt und vielleicht auch eigene Erfahrungen etc. Brauch irgendwie etwas Input von außen, weil ich das Gefühl hab' ich dreh mich im Kreis.

Viele Grüße
Amay

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Yemaia 43
Beitrag 13.Feb.2011 - 10:08
Beitrag #2


Gut durch
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Hallo Amay,

dieses vorherrschende Lebensmodell, Mann, Kinder, Hund und Haus steckt meines Wissens zu 98% in den Köpfen der Eltern.
Kommt mir irgendwie bekannt vor, was Du da schreibst.
Nun, um Deinen Vater brauchst Du Dir eigentlich keine Sorgen zu machen, denn in erster Linie schadet er sich selbst. Sein Denken, seine Verachtung anders denkenden und fühlenden gegnüber. Du kannst ihm gar nicht schaden!
Ich als Elternteil würde es wertschätzen, wenn sich meine Tochter mir anvertrauen würde und sich outet. Dieses Feingefühl fehlt leider vielen Vätern. Mein Vater hat es heute noch nicht "verdaut", dass ich lesbisch bin. Ich sagte zu ihm: "Paps, im nächsten Leben bist Du dann schwul, das nennt sich Karma!" Das fand er gar nicht lustig. Er wurde eher nachdenklich. Und da sich in der Familie väterlicherseits mittlerweile noch mehr geoutet haben, ist er sogar kleinlaut geworden.
Ich würde es wagen und es den beiden erzählen. Am Anfang gibt es oft erst mal ein Trara. Aber die Wellen legen sich wieder. Und dann fühlt es sich auch wieder leichter an. Wer weiß, vielleicht ändert Dein Vater auch noch seine Meinung gegenüber Schwule und Lesben. Dann war das Outing für ihn auch noch bewußtseinserweiternd.

L.G. Yemaia
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