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DerTagAmMeer
Angestoßen durch die politische Diskussion etwas weiter oben würde ich mich gern mit Euch über Motivation in Freizeit und Beruf austauschen. Was spornt Euch an? Und wieso?

Lange bevor ich das Wort "Flow" kennengelernt habe, wusste ich, dass es genau das ist, was ich im Leben will. Genau besehen tue ich kaum anderes als Aufgaben zu suchen, in denen ich aufgehen kann.

Es gibt keinen wirklich roten Faden zwischen den Tätigkeiten, mit denen ich dieses Glücksgefühl eine Herausforderung zu meistern, gefunden habe. Doch immer war es mit Anstrengung verbunden, und selten waren es besondes "tolle" oder "begehrte" Aufgaben. Ich habe den Kneipenstress ebenso geliebt wie das mühselige Nachbuchstabieren theoretischer Texte, hab auf dem Bau mit derselben Euphorie geschuftet, die mich (in glücklichen Momenten) auch beim kreativen Arbeiten überfällt. Selbst meine erste Steuererklärung war begleitet von diesem Rausch ein Stückchen über sich hinauszuwachsen.

Im Umgang mit Azubis versuche ich gern, statt an ihren Schwächen anzuknüpfen, ihre Stärken zu reizen. Im Vermitteln von Disziplin wäre ich ohnehin unglaubwürdig. Deshalb war ich ausgesprochen ratlos als XY seine Ausbildung begann. Im Gegensatz zu seinen älteren und sehr strebsamen VorgängerINNEN war XY erst 16, Typ faul-charmanter "Durchschummler". Wie sollte ich den nur dazu bringen regelmäßig ein Berichtheft zu führen? (Eine Aufgabe, die Generationen vor ihm - inkl. mir - ausnahmslos an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hatte)
Mir fiel nichts ein und das sagte ich ihm auch.
1,5 Jahre später ist das Berichtsheft von XY das Highlight der ganzen Firma. Statt täglich gleichbleibende Tätigkeiten zwanghaft umzuformulieren, schreibt er kleine Anekdoten über Kunden, Lehrer, seine Ausbilderin und die verrottete Turnhalle der Berufsschule - mit einem derart trockenen Humor, dass man nicht anders kann als lauthals zu lachen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass er so selbst viel Spaß dabei hat und sehr motiviert ist aus nichts einen klasse Schmöker zu zaubern.
sonnenstrahl
Ich gestehe:
Kaum eine Herausforderung interessiert mich als solche. Manche lüpfe ich gar mit spitzen Fingern wie ein fremdes Taschentuch von meiner Fußmatte, und befinde: Das muss ich weder mir, nocht sonstwem beweisen, dass ich das kann.

Das war mal anders: Ich "musste" meinen Käse selber herstellen, mein Auto selbst reparieren, 42 km-Märsche am Stück "absolvieren", Bleiwüsten durchackern, um mitreden zu können, mir in den Zähnen rumbohren lassen, ohne Betäubung ...
Ich bin aufgeblüht bei jedem Lob durch Andere - und war bereit, viel allein dafür zu tun.

Inzwischen motiviert mich vor allem die tatsächliche Freude, die ich bei vielerlei Tun empfinde.
Das Gefühl, mich dabei zum Ausdruck zu bringen.
Mich einfließen lassen zu können, mich wiederzufinden, mich zu spüren.
Während ich etwas tu, zu merken: Das bin ich!

Dieses "Hey, das bin ich!" versuche ich auch in dem zu entdecken, was erstmal so gar nicht nach Lieblingsbeschäftigung aussieht - wo ich jedoch sehr offensichtlich nicht drumrum komme. In meiner Steuererklärung zum Beispiel. Sie war mir jahrelang das absolute Gräuel der Gräuele ... bis ich mir gestattete, ihre Erledigung mit einem wirklich großzügigen Zeitpolster zu versehen, und es mir zwischendurch richtig luxuriös gutgehen zu lassen. Noch nie ist mir eine Steuererklärung so leicht von der Hand gegangen, wie das letzte Mal - zwischen Ausschlafen, Speisengehen mit mir selbst, Spaziergängen, dem Genuss von Klangmassage, Shiatsubehandlung, ayurvedischer Ölmassage, Bummeln, Espressotrinken, Kino ...
Meine innere Diva war entzückt, und dankte es mir mit ausnehmend guter Laune - auch beim Zusammenrechnen und Quittungen abheften.
Sie ist es, die einfach dabeisein muss, wenn ich mich wirklich wohlfühlen will.
Früher habe ich sie meist ignoriert, geackert und gekämpft.
Heute erinnere ich mich zunehmend an die mir wesentliche Erkenntnis:
Wenn meine Seelen-Primadonna wohlig zu schnurren verspricht, bin ich allerhöchst motiviert.
Und was dabei rauskommt, macht bei aller Leichtigkeit was her.
Das kann, muss aber nicht zwingend teuer sein.
Sie schnurrt auch, wenn ich zwischendurch den blauen Himmel in mich reinlasse. Oder tief durchatme. Wenn ich an einer Blüte schnuppere. Und mich räkele und strecke. Und mir auf der Zunge zergehen lasse, was ich uns kredenze - statt zu schlingen, was durchaus auch zu meinem Repertoire gehört.
Luxus Zeit ist ihr Größtes: Zeit, wirklich wahrzunehmen. Zeit für meine Sinne.
Wenn ich mir diese Momente des lustvollen Innehaltens gönne, bzw. während ich etwas tue, sinneswach, vielleicht sogar genießerisch auf Empfang sein darf - dann ist alles gut.




McLeod
ZITAT(DerTagAmMeer @ 17.Feb.2010 - 13:39) *
Was spornt Euch an? Und wieso?


Das Neue. Weil es mich bereichert, es zu kennen.

Das Besondere. Weil es mich aus der Menge fallen lässt.

Anerkennung. Weil ich zwar viel weiß und Spezielles kann - und doch ein einfach gestrickter Mensch bleibe.


;o)

Ich suche noch nach dem Neuen, dem Besonderen oder der Anerkennung ist der x-ten Steuererklärung. Oder dem Schreibtischaufräumen. Oder dem Abschalten des Mobilrechners abends um 22:53 Uhr.

McLeod

Hm, kaum abgeschickt bin ich mir nicht sicher, die richtige Antwort gegeben zu haben.

Mich spornt es an, die Welt an der einen oder anderen Ecke für den einen oder anderen Menschen zu einem besseren Lebensraum zu machen, als sie es war, bevor ich tat, was auch immer ich dann getan habe.

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höh, die Forensoftware zieht meine Beiträge zusammen...? smile.gif
dandelion
wenn du zweimal kurz nacheinander im selben Thread schreibst, ohne daß es jemand dazwischen tut, ist das seit dem Update letztes Jahr so, ja. smile.gif

Menschen, die ich mag, zum Lachen zu bringen. Oder, noch besser, zum lächeln.

Etwas zu bearbeiten, das viel Geduld braucht.

Witzige, schöne, originelle Details an irgendwas zu finden. Je alltäglicher es eigentlich ist, je besser.

Freiräume schaffen. Ich liebe es, wenn meine zugemüllte Wohnung auf einmal freie Flächen hat. Wenn ich so lange gearbeitet habe, daß es auch keinen mehr interessiert, ob ich an dem Abend noch nach Hause komme. Wenn ich eine Strecke statt auf gewohntem Wege mit der Straßenbahn spontan und ohne Karte zu Fuß zurücklege. Wenn ich in der Menschenmenge einer Disco verschwinde. Oder wenn ich mich mit guten Freunden auf wilde Gedankenspiele einlassen kann.

Warum? Weil ich mich leicht fühle, wenn ich mich verliere.
Weil es sich warm anfühlt, anderen eine Freude zu machen.
Weil ein aufwändiges Werkstück die gleiche Faszination hat wie eine Fußspur im Sand. Beide sagen etwas darüber aus, daß jemand da war. Ein bißchen auch darüber, wer da war. Aber sie lassen eine Menge Spieraum. smile.gif

Sich so aus der eigenen festen Form zu lösen und in etwas flüchtiges oder unsterbliches einzufließen... mag ich smile.gif
Sägefisch
Ich hege eine gewisse Sympathie für Grosstaten mit Wind im Haar, bin aber im Grunde selber faul und am ehesten durch drohendes Unheil einigermassen auf Trab zu bringen. Das liess sich zum Glück und nach viel Hickhack sogar noch beruflich grundsolide umsetzen.

Allenfalls bin ich noch auf so manche sich sträubende Angelegenheit wütend genug um sie nicht gut sein lassen zu können. Fürs sich-verlieren reicht es unter diesen Umständen eigentlich nie, aber sich-im-Blick-Haber darf es ja auch geben. icon4.gif
sonnenstrahl
Als Antagonistin zur bekennenden Hedonistin in mir, hat sich über Nacht noch mein Gewissen gemeldet.
Beide werden flankiert von Mitgefühl/Resonanzfähigkeit und echter Einsicht.
Und so ganz ohne Anerkennung geht´s bei mir alltags wahrlich nicht zu: Ich muss zugeben, dass ich einen Beruf gewählt habe, in dem die Chancen, mit Lob und Dankbarkeit und auch Bewunderung überschüttet zu werden, wenn ich für Zufriedenheit sorge, so hoch sind wie in vielleicht kaum einem anderen.
Wenn diese 5 zusammenspielen, bin ich motiviert, und fühle mich wohl.
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sonnenstrahl
Bei weiterem Drübernachsinnen fällt mir noch das Gefühl von Verbundensein ein, welches mich sowohl beflügelt, wenn es schon da ist, als auch wenn es zu erlangen ich mir ausmale und wünsche. Es motiviert mich, außer zu liebevollen Gesten, auch dazu, mich überhaupt mitzuteilen.
Jagwa
Was mich anspornt?

Das ist eine gute Frage, die Du da gestellt hast, TagAmMeer. Danke, denn damit bringst Du mich zum Grübeln...

Zum grübeln deshalb, weil ich stellenweise so begeisterungsfähig bin, dass ich mich in dieser Begeisterung regelrecht auflösen kann. Manchmal sogar ein bißchen zu sehr, aber naja. rolleyes.gif

Im Beruf erlebe ich es recht oft, dass ich den Ansporn dadurch bekome, weil ich mich oft unversehens in Situationen wiederfinde, aus denen andere herausrennen. Ich bin dann gezwungen, Lösungen zu finden, zu improvisieren, um die Ecke zu denken, also das Gehirn anzuschmeißen, ganz und gar im Hier & Jetzt zu sein, aber dennoch nicht das Gefühl zu haben, ich sei überfordert.

Ich kenne auch das, was Sonnenstrahl beschreibt. Sich durchbeißen, sich etwas beweisen, womöglich sogar härter, besser, schneller zu sein als andere. ( Ich hoffe, ich habe Dich da richtig verstanden, Sonnenstrahl. Falls nicht: Sorry! )

Allerdings habe ich dann auch gelernt, etwas "gnädiger" mit mir zu sein und mich auch mal selbst zu belohnen, mir ein dickeres Zeitpolster zu gönnen, wie meine Vorschreiberinnen es geschildert haben.

Was mich aber am meisten anspornt, ist nichts anderes als blanke Neugier. Angeregt durch Menschen oder Situationen jeglicher Art höre oder lese ich etwas, das mir unbekannt war oder das mich aufregt, aufwühlt, ein getretenes Gerechtigkeitsgefühl, Trauer, Wut.... Ich will dann mehr erfahren, etwas ändern oder mich sonstwie weltverbessernd einbringen - der Teil von mir, der wohl nie aus der Pubertät kommt -.
Tja, und dann arbeite ich mich in die Materie ein, lese, frage den Menschen Löcher in den Bauch etc.

In solchen Momenten bin ich ganz bei mir, gerade wenn es um das Kennenlernen von etwas Neuem geht. Das scheint so eine Art Essenz für mich zu sein. thumbsup.gif

Wobei die Kreativität auch eine enorme Rolle spielt. Wenn ich male, etwas schreibe oder bastle, dann ist die Tätigkeit an sich schon spannend genug, das anschließende Ergebnis spielt - fast - keine Rolle mehr.
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