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> Freundschaft aufbauen / Kommunikation
Jabba
Beitrag 12.Dec.2018 - 11:32
Beitrag #1


Geschirrspülerin
**

Gruppe: Members
Beiträge: 14
Userin seit: 11.12.2018
Userinnen-Nr.: 10.017



Liebes Forum!

Ich habe ein Problem, aus dem ich einfach nicht schlauer zu werden scheine: Wie schafft man es, jemandem, der einem sympathisch ist, als Freund zu gewinnen und wie funktioniert Kommunikation richtig?

Ich bin seit jeher mein eigener Chef (ich bin eine Frau, aber die männliche Ausdrucksweise ist mir trotzdem vertrauter und wohler ;-)), ich lebe zeitweise sehr nomadisch und schon seit ein paar Jahren nicht mehr im festen Haus oder Wohnung und möchte das auch gar nicht mehr. Im Ausland ist es sooo leicht, Menschen kennenzulernen. Gemeinsame Interessen und Situationen lassen sofort ein "Wir-gegen-den-Rest"-Gefühl entstehen, so dass sich mir letztens eine Frau mit den Worten: "Ich bin Deine Freundin! Du kannst mich um alles bitten!" präsentierte, und das, wo ich sie gerade dreimal getroffen und gesprochen habe.

In Deutschland empfinde ich das Leben auf andere Art leicht und auch anstrengend. Anstrengend finde ich die Menschen. Diese ständigen Trennungen, als wäre jeder für sich ganz allein. Meine Philosophie besagt, dass wir alle eins sind und dass niemals eine Begegnung zufällig ist. Es ist alles für etwas gut. Ich trete also sehr offen an Leute heran. Bin aber nicht auf der Suche nach einer (Kumpel)Freundin. Aber ich vermisse etwas ganz klar: Kommunikation. Ich schreibe seit einigen Jahren Geschichten/Romane, um einen Ausgleich zu schaffen, da ich selten Menschen begegne, die kommunikativ sind. Das bewirkt, dass ich immer auf den gleichen Typus anspringe: Eine Frau, die aktiv, kommunikativ und empathisch ist. Nun ist mir genau so eine Person als Tierärztin begegnet. Und hier beginnt wieder mein Problem: Der Mensch ist toll und ich würde am liebsten mehr Zeit mit ihr verbringen, weiß aber nicht, wie man aus der Patienten/Arzt-Geschichte heraus kommt. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ich wieder einen Menschen siezen muss (wobei ich es aber auch genieße, diese Höflichkeit und trotzdem liebevolle Art).

Mein Ich vor ein paar Jahren hätte das ganze Thema sofort begraben, inzwischen schaue ich mir lieber etliche Tipps an, wie man Menschen liest, mit ihnen umgeht, richtig zuhört, interessant wird, Freund wird usw.

Von ihr kam sogar eine Einladung zu einer Aufführung, bei der sie mitwirkte. Ich ging auch hin und wartete ab, bis sie von der Bühne kam, um mich für die Einladung zu bedanken und damit sie mitkriegt, dass ich wie versprochen da war, obwohl es privat gerade drunter und drüber geht. Da sie mir irgendwie gleich ins Wort fiel, sich beinahe für die Einladung entschuldigte, weil sie wohl plötzlich der Mut verließ und sie dachte, dass es mir wohl doch nicht so gefallen haben könnte, schrieb ich ihr eine Mail, wo ich das richtig stellte und noch etwas zu meinen Tieren, wegen derer ich sie ja vor gerade ein paar Wochen kennengelernt habe. Sie schrieb dann auch eine längere Mail zurück, wo sie mir erzählte, wieviel Spaß ihr es macht, dort mitzuwirken, dass die Leute alle toll sind und es neben dem Beruf noch schaffen, sowas auf die Beine zu stellen. Alles war irgendwie so aneinander gereiht, so dass ich nicht richtig wusste, was ich darauf entgegnen sollte, außer zu bewundern, wie sie das alles schafft, Familie, einen anstrengenden Job und so ein anspruchsvolles Hobby! Ich übe mich gerade in Komplimenten ^^

Da sie erzählte, dass sie für ein paar Tage ohne Helferlein arbeiten muss, bot ich ihr an, dass ich doch helfen kommen könnte. Ich habe schon in manchen Praxen gearbeitet, ist zwar schon eine Weile her, aber ich weiß ja, dass man manchmal gar nicht genug helfende Hände haben kann.

Ich war total positiv und zuversichtlich, so wie ich es immer zu sein versuche, und doch ist seither keine Reaktion auf die Nachricht gekommen.
Beim nochmaligen Lesen meiner Nachricht, stellte ich fest, dass ich alles so formuliert habe, dass man überhaupt nicht darauf reagieren muss. Der Text beihnhaltet keine Bitte oder Frage. Ich wollte sie ja auch nicht in Verlegenheit bringen und habe den Part, dass ich helfen könnte, so umformuliert, dass es auf meine Person gemünzt ist. Also nicht von wegen: "Melden Sie sich doch gerne bei mir, wenn Sie Hilfe gebrauchen könnten", sondern eher "Ich kann zu Hilfe eilen; wenn Sie Bedarf haben."

Sooo und da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!
Jetzt frage ich mich: War mein Hilfsangebot zu aufdringlich? Überschreitet das meine Kompetenzen? Wirkt es gar arrogant, als sei ihre Arbeit so easy zu bewerkstelligen, dass selbst eine Laie das locker hinkriegt? Ist sie einfach nur im Stress? Hat sie Angst, zu erklären, dass sie das nicht möchte, aus Angst, ich könnte enttäuscht sein? Bin ich zu weit gegangen? Überinterpretiert sie jetzt mein Interesse an ihrer Person? Was mache ich jetzt?

Leider kann man sie nicht einfach ohne Termin besuchen. Es war eigentlich verabredet, dass wir uns nochmal in diesem Jahr sehen. Ich habe das Problem jetzt aber anders lösen können, so dass ich nicht nochmal zu ihr muss.
Wenn ich nun nichts mehr mache, könnte es zu Anspannung führen, wenn ich im neuen Jahr hin muss, ohne dass ich aber vorher da war.

Meine Überlegung war daher, dass ich ihr vor Weihnachten nur eine kurze Nachricht schicke von wegen: "Ich hoffe, ich war nicht zu aufdringlich, ich wollte nur höflich sein. Für das Problem habe ich eine andere Lösung gefunden, deshalb sehen wir uns erst im neuen Jahr. Ich wünsche Ihnen ein tolles Weihnachtsfest."

Manchmal überkommen mich noch extreme Selbstzweifel und negative Gedanken und Angst, es mir verscherzt zu haben, übers Ziel hinausgeschossen zu haben. Dabei habe ich nur auf die Gelegenheit reagiert, weil sie sich plötzlich auftat. Gerade denke ich noch darüber nach, wie schön es wäre, wenn ich mal wieder in einer Praxis aushelfen könnte, zum einen, weil mir das wirklich Spaß macht, zum anderen, um sie besser kennenzulernen. Zack, auf einmal schreibt sie, dass sie in ein paar Wochen allein sei und ich interpretiere das als Zeichen, dass jetzt der richtige Moment gekommen ist, ihr meinen Wunsch indirekt mitzuteilen, indem ich ihr einfach die Hilfe anbiete.
Nun machte ich den "Fehler" und zeigte die Texte einer Freundin, die selbst sehr unkommunikativ und scheu ist und die sich die Hände übern Kopf zusammenschlug, wie weit ich doch da gegangen sei.
Jetzt bin ich richtig unsicher und zweifle wieder an allem. Bin ich wirklich so kompliziert? Darf man nicht mehr locker und höflich sein? Ich will auf einem Planeten leben, wo alle nur telepathisch kommunizieren und es nichts gibt, was nicht jeder sieht und versteht!
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